museenkoeln.de | Bild der Woche: "Ein dauerndes Denkmal moderner Baukunst". Die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße

"Ein dauerndes Denkmal moderner Baukunst". Die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße

Bild der 38. Woche - 18. September bis 24. September 2017

Die Synagoge Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld kurz nach der Fertigstellung 1927/28 (Fotograf: unbekannt, aus: Bauwarte, Jg. 4 1928, Abbildungsseite 93)

Innenansicht der Synagoge Köln-Ehrenfeld in der Körnerstraße (Fotograf: Lief, aus: Jahrbuch der Synagogengemeinde Köln 1934)

Die Synagoge Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld kurz nach der Fertigstellung 1927/28 (Fotograf: unbekannt, aus: Bauwarte, Jg. 4 1928, Abbildungsseite 95)

Vor 90 Jahren, am 18. September 1927, wurde nach einjähriger Bauzeit in der Körnerstraße im Kölner Stadtteil Ehrenfeld eine neue Synagoge eingeweiht. Durch ihren Bau wurde ein religiöses Zentrum für die in den Jahren zuvor stetig gewachsene jüdische Gemeinde in Ehrenfeld und den umliegenden Vororten im Nordwesten der Stadt geschaffen.

Mit der Planung, Realisierung und Innenausstattung des Gebäudes war der jüdische Architekt Robert Stern beauftragt worden. Der gebürtige Kölner hatte sich zu diesem Zeitpunkt mit seinem 1909 gegründeten Architekturbüro nicht nur durch Neu- und Umbauten zahlreicher Wohn-, Geschäfts- und Lagerhäuser im Stadtgebiet einen Namen gemacht, sondern auch mehrfach Auftragsarbeiten für jüdische Einrichtungen in Köln und anderen Gemeinden durchgeführt.

Sein Architekturstil, modern und neoklassizistisch, in den sich expressionistische Formen und Elemente des Bauhauses mischten, ließ auch die Synagoge und das angeschlossene Wohnhaus des Kantors mit ihren klaren Formen und einer klassizistischen Fassade der zeitgemäß erscheinen. Der Bau setzte sich damit von dem zu dieser Zeit in der Synagogenarchitektur noch gängigen „orientalischen“ Stil ab, wie er unter anderem bei der ältesten Synagoge Kölns in der Glockengasse zu finden war.

Die Gebäude lagen etwas von der Straße zurückgesetzt und gruppierten sich um einen ummauerten Innenhof mit Baumbestand. Drei rundbogige Eingänge führten durch eine Vorhalle in das Innere der Synagoge. Die Fenster darüber waren in der Form von Davidsternen gestaltet und verwiesen damit explizit auf die religiöse Funktion. Auch der Hauptraum, der - in einen Betraum für Männer und eine Empore für Frauen unterteilt - Platz für etwa 400 Personen bot, knüpfte mit seiner Form eines von einer Zeltkuppel überdachten Oktogons an biblische Darstellungen an.

Wie in den meisten Kölner Synagogen während der 1920er Jahre folgten auch die Gottesdienste in Ehrenfeld dem liberalen Ritus. Ein kleiner Raum für etwa 60 Personen war jedoch den Mitgliedern der orthodoxen ostjüdischen Gemeinde in Ehrenfeld vorbehalten. Als Rabbiner arbeitete dort zunächst Dr. Lazar Dünner. Ihm folgte Mitte der 1930er Jahre Dr. Isidor Caro. Beide waren Vertreter des konservativen Judentums und für die Synagogen-Gemeinde Köln tätig.

Mit dem Neubau wurde dem stetigen Zuwachs der jüdischen Gemeinde in den westlichen Vororten in den vorangegangenen Jahren Rechnung getragen. Bedingt durch das allgemeine Bevölkerungswachstum im Zuge der Industrialisierung des Stadtteils, aber auch durch den verstärkten Zuzug jüdischer Immigranten aus Osteuropa seit Ende des Ersten Weltkriegs war die Gemeinde bis Mitte der 1920er Jahre auf ca. 1.100 Personen angewachsen. Sie machte damit einen Anteil von ca. 1,6 % der rund 70.000 Einwohner in Ehrenfeld aus, was jedoch unter dem stadtweiten Anteil von 2,3 % in dieser Zeit lag.

Mit der Körnerstraße war bewusst eine ruhige, aber zentrale Seitenstraße mit typischer Ehrenfelder Sozialstruktur als Ort ausgewählt worden. In direkter Nachbarschaft der Synagoge lebten Tagelöhner, Fabrikarbeiter, Gärtner und Straßenbahnschaffner, aber auch eine Villa befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Hierin spiegelte sich nicht nur das soziale Spektrum der jüdischen Gemeinde wider, sondern es zeigte auch das Verständnis der jüdischen Bevölkerung, integralerTeil der Stadtgesellschaft zu sein.

Diese Einstellung zeigte sich auch in der lokalen Presse, die euphorisch über die Eröffnung der neuesten Kölner Synagoge berichtete. Die Kölner "Jüdisch-liberale Zeitung" sah darin ein "dauerndes Denkmal moderner Baukunst", für den Ehrenfelder Anzeiger waren die Feier und der Flaggenschmuck in der Umgebung Zeugnis "von dem guten Einvernehmen, das in Köln zwischen den verschiedenen Bekenntnissen besteht".

Doch diese Einschätzungen sollten sich nicht bewahrheiten. Nachdem die jüdische Gemeinde die Gottesdienste in Ehrenfeld unter dem wachsenden Druck der nationalsozialistischen Verfolgung bereits eingestellt hatte, wurde die Synagoge wie nahezu alle jüdischen Einrichtungen in Köln im Zuge des Novemberpogroms am Morgen des 10. November 1938 vollständig verwüstet und niedergebrannt. Henry Gruen, der als Sohn des Kantors mit seiner Familie im benachbarten Wohnhaus lebte, erinnerte sich später, wie er mit wenigen Habseligkeiten über die Körnerstraße floh, nachdem eine Gruppe Uniformierter in die Gebäude eingedrungen war, die Einrichtung zerschlagen und schließlich die Synagoge in Brand gesteckt hatte. Als Anfang der 1940er Jahre auf dem benachbarten Gelände ein Hochbunker gebaut wurde, musste die jüdische Gemeinde die letzten Trümmer auf eigene Kosten entfernen.

Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an der Ecke des Hauses Körnerstraße 91 an die Synagoge in Ehrenfeld.

B. Klarzyk