Ein Treffen mit Folgen

Bild der 41. Woche - 9. Oktober bis 15. Oktober 2017

Joseph Anton Koch: Macbeth und die drei Hexen, 1834, Aquarell über Bleistift auf Papier. 28,8 x 43,65 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 1926/023 (Foto: RBA 2007.08.21)

Ein freier Platz, Donner und Blitz.
Drei Hexen treten auf.
Erste Hexe: Wann treffen wir drei und das nächste mal
Bei Regen, Donner, Wetterstrahl?
Zweite Hexe: Wenn der Wirrwarr ist zerronnen,
Schlacht verloren und gewonnen.
Dritte Hexe: Noch vor Untergang der Sonnen.

Mit diesem Auftritt dreier Hexen beginnt eines der berühmtesten Werke von William Shakespeare. „Macbeth“ handelt von dem gleichnamigen schottischen Heerführer, der nicht vor einem Mord zurückschreckt, um selbst zum König aufzusteigen. Macbeths Herrschaft entwickelt sich jedoch zur Tyrannei. Der unrechtmäßige Monarch verfällt dem Wahnsinn und wird schließlich im Kampf getötet.

Eine unheilvolle Begegnung

In der ersten Szene des Dramas treffen sich die drei Hexen während eines grausamen Unwetters, um sich für das Zusammentreffen mit Macbeth zu verabreden. Sie treffen ihn und seinen Begleiter Banquo auf dem Rückweg von einer Schlacht, um ihm seine bevorstehende Karriere als König zu verkünden, die jedoch ein schlechtes Ende nehmen wird. Diese düstere Begegnung bringt der österreichische Maler Joseph Anton Koch 1834 auf die Leinwand.

Heroische Landschaft

Koch gilt als ein Vertreter der heroischen Landschaft, in der erhabene und unberührte Ideallandschaften in Verbindung mit Elementen aus der antiken Mythologie oder aus der Literatur dargestellt werden. Die Landschaft spiegelt hier die Handlung der Schlüsselszene aus Macbeth wider: Die Natur wirkt bedrohlich und kündet von der Tragödie, die aus der Begegnung zwischen Macbeth und den drei Hexen hervorgeht. Das stürmische Meer zeugt von der inneren Aufgewühltheit der Charaktere, ist doch die Situation selbst den beiden erfahrenen Heerführern Macbeth und Banquo nicht geheuer. Die drei Hexen verkörpern das Böse, sie stiften mit ihren Prophezeiungen Chaos und bringen Macbeth dazu, sich selbst ins Unglück zu stürzen.

Faszination Shakespeare

Seit dem 18. Jahrhundert werden Shakespeares Stücke vermehrt im deutschsprachigen Raum rezipiert: Bedeutende Dichter wie Lessing, Goethe oder Schiller lassen sich im Laufe der Zeit von seinen Werken beeinflussen. Dies ist nicht zuletzt der Verbreitung deutscher Übersetzungen zu verdanken. Die Übersetzung von Dorothea Tieck, August Wilhelm Schlegel und Wolf Heinrich von Baudissin, aus der das Eingangszitat stammt, entsteht auch in den 1830er Jahren und gilt als die bis heute wirkmächtigste. 1864 wird zudem die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft in Weimar ins Leben gerufen. Der bis heute aktive Verein gründet sich anlässlich Shakespeares 300. Geburtstages und ist eine der ersten literarischen Gesellschaften der Welt – wesentlich älter sogar als ihr britisches Pendant. Die Stücke Shakespeares wurden, seit dieser Zeit auch im deutschen Raum, unzählige Male aufgeführt und literarisch erforscht. Daneben befassten sich auch Maler wie Koch mit bestimmten Werken und bildeten Szenen ab.

Bis heute hat der Strom der Shakespeare-Rezeption nicht abgenommen: Von Spielfilmversionen seiner bekannten Stücke über Dokumentationen über sein rätselhaftes Leben bis zu neuen Inszenierungen auf den Bühnen der Welt. Man darf gespannt sein, womit die Neuinszenierung von "Romeo und Julia" am Schauspiel Köln aufwartet. Die Premiere ist am 14. Oktober.

K. Wonnemann