Ein meisterhaftes Kästchen

Bild der 03. Woche - 15. Januar bis 21. Januar 2018

Jan Thorn Prikker (Entw.) und Albert Schulze (Ausf.): Schmuckkästchen mit Intarsien, um 1925. Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. A 1331 (Foto: RBA)

Wer anlässlich der „Passagen“ oder der Internationalen Möbelmesse in dieser Woche nach Köln kommt und dabei selbstverständlich auch das MAKK besucht, wird auf eine interessante Präsentation stoßen. Getreu dem Motto "It's not about everything – it's about the best" präsentiert “Stylepark” dort die interessantesten Neuheiten der imm 2018 in den Räumen des Museums.

Stylepark, eine Plattform für Architektur und Design, zeichnet jährlich ausgewählte Neuheiten der Möbelmesse aus. Mit der Ausstellung "Stylepark Selected imm 2018 at MAKK" wird das erfolgreiche Onlineformat erstmals in die 3. Dimension weiterentwickelt: Die prämierten Neuheiten werden in einer spektakulären Szenografie des Münchner Designerduos RelvãoKellermann in der zentralen Ausstellungshalle des Museums präsentiert. Dort sind die ausgewählten Exponate als Hologramme zu sehen, denn die Originale stehen ja auf der Messe.

Wären die Kritiker durch die Depots des MAKK gegangen, so hätten sie sicher unser Objekt der Woche in ihre Auswahl aufgenommen. Es handelt sich um einen hölzernen Kasten, in dessen Oberfläche geometrische Intarsien eingearbeitet sind. Die verschiedenen Holzarten mit ihren Brauntönen, deren Palette von einem hellen Beige bis zu einem Schwarzbraun reicht, verleihen dem Kästchen eine ungeheure Lebendigkeit, Hinzu kommt, dass die schmalen Längsstreifen und Quadrate, vereinzelt auch gleichschenklige Dreiecke und Trapezformen in ihrer Anordnung keinem strengen System folgen, sondern offenbar willkürlich angeordnet sind. Der Entwurf zu diesem Meisterwerk der angewandten Kunst stammt von Jan Thorn Prikker, die Ausführung von Albert Schulze.

Das Kästchen entstand an den Kölner Werkschulen, die während der Amtszeit von Oberbürgermeister Konrad Adenauer gegründet worden waren. Sie machten Köln in der Weimarer Republik zu einem Zentrum des frühen Designs. Die Kölner Werkschulen sollten als westdeutsches Gegenstück zum Bauhaus in Dessau fungieren. Oberbürgermeister Adenauer wollte im Rahmen seines wirtschaftlichen Aufbauprogramms für die Domstadt ein weiteres geistiges Zentrum schaffen. Neben der Kölner Musikhochschule und der Wiedergründung der Universität war dies die dritte Ausbildungsstätte, die Adenauer ins Leben rief.

An den Kölner Werkschulen wirkte auch Jan Thorn Prikker als Hochschullehrer. Einem breiteren Publikum dürfte er vor allem durch seine Entwürfe zu Glasfenstern bekannt sein, deren kräftige Ornamente und geometrischen Kompositionen die Glaskunst revolutionierten. Genau diese Gestaltungsprinzipien sind es auch, die das Kästchen bestimmen. Hier hat der expressionistische Künstler sich an der kleinen Form versucht, der ausführende Albert Schulze hat den Entwurf in ein handwerkliches Meisterwerk umgesetzt, das den Vergleich zu heutigen Designstücken nicht zu scheuen braucht.

M. Hamann