Aus Anlass der ART COLOGNE: Heute vor 10 Jahren

Bild der 16. Woche - 16. April bis 22. April 2018

Peter Doig: Man Dressed as Bat (Embah), 2008. Öl auf Leinwand, 195 x 296 4 cm. Museum Ludwig, Inv.-Nr. ML 10257 (Foto: RBA)

Morgen startet wieder die ART COLOGNE, und die Stadt wird zum Mekka von Kunstfreunden und Sammlern aus der ganzen Welt. Seit 1967 ist die Messe Treffpunkt der internationalen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Am Tag vor der Eröffnung verleiht die Gesellschaft für Moderne Kunst jährlich den Wolfgang-Hahn-Preis und zeichnet damit außergewöhnliche zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus.

Der Name des Preises ehrt das Andenken an den Kölner Sammler und Gemälderestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der sich in vielfältiger Hinsicht für die Kunst der europäischen und amerikanischen Avantgarde in Köln engagierte. Das Preisgeld in Höhe von maximal 100.000 Euro fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe des Künstlers oder der Künstlerin zugunsten der Sammlung des Museum Ludwig. In diesem Jahr wird es die koreanische Künstlerin Haegue Yang sein, die in diesem Zusammenhang auch mit einer großen Ausstellung im Museum Ludwig vertreten sein wird.

Vor genau zehn Jahren wurde in Zusammenhang der Preisverleihung ein Werk angekauft, das sehr gut in eine so unsichere Zeit wie die unsere passt: "Man Dressed as Bat (Embah)" von Peter Doig. Die Arbeit zeigt im Bildvordergrund eine schemenhafte Figur im Fledermauskostüm vor einem türkisgrün flackerndem Hintergrund, der wie mit einem milchweißen Schleier überdeckt wirkt. Doig konzentriert sich dabei in seiner Bildorganisation auf das Motiv der Fledermaus. Sie steht im Zentrum des Bildes, während die Umgebung diffus und unfassbar belassen ist.

Doigs feinfühliger künstlerischer Umgang mit der Farbe zeigt sich einerseits an diesem fast gespenstisch lebendigen Hintergrund, der im Auge des Betrachters zu vibrieren scheint. Andererseits kreiert Doig mit Pastell-Farben und einem fast durchscheinenden Farbauftrag den Eindruck einer Nachtgestalt, die auch Trugbild sein, einen zum Narren halten könnte. Zwar ist das Motiv der Fledermaus noch erkennbar – doch könnte die Figur ebenso gut nur der flüchtige Schatten ihrer selbst, oder gar eine abstrakte Form sein, die man schlaftrunken als Fledermaus interpretiert. Die einsame Figur ist weder gegenständlich noch abstrakt, schwankt zwischen Realität und Imagination und scheint Traumverlorenheit und Einsamkeit, Sehnsucht und Todesangst zugleich zu verkörpern.

Peter Doigs Oeuvre besticht durch eine einzigartige malerische Komposition von Stimmungen und Motiven. In seinen jüngeren Arbeiten ist die Hinwendung zur Verdichtung der Form, die Fokussierung einzelner Motive, ja fast schon das Oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion die bemerkenswerte Weiterentwicklung des 1959 auf Trinidad geborenen britischen Künstlers. Die Arbeit hat einen biographischen Bezug: der trinidadsche Künstler Embah (mit vollem Namen Emheyo Bahabba, geb. 1938) schenkte Doig eine Fledermaus-Skulptur, die Doig zu dem Gemälde voller Melancholie und Schwermut inspirierte.

C. Cugini