LOVE. Zum Tod von Robert Indiana

Bild der 21. Woche - 21. Mai bis 27. Mai 2018

Robert Indiana: Love. Siebdruck auf Papier, 86,4 x 86,2 cm. Köln, Museum Ludwig, Grafische Sammlung, Inv.-Nr. ML/G 1985/076 (Foto: RBA; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014)

Robert Indiana, der Schöpfer eines der meist reproduzierten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts, starb am vergangenen Samstag in seinem Haus auf Vinalhaven, einer Insel vor der Küste von Maine. 1928 als Robert Clark in New Castle, Indiana, geboren, nahm er als Künstler den Namen seines Heimatstaates an. Nach der Scheidung seiner Eltern besuchte er die Arsenal Technical High School in Indianapolis und absolvierte nach einem dreijährigen Aufenthalt bei der US Air Force die School of the Art Institute of Chicago. Anschließend studierte er an der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Maine und dann in Schottland, an der University of Edinburgh und am Edinburgh College of Art, bevor er 1954 in die USA zurückkehrte und sich in Lower Manhattan niederließ und sich dem Künstlerkreis um Ellsworth Kelly anschloss. Der Einfluss des Lebens in dieser lebendigen Künstlergemeinschaft auf Indiana war enorm, und Ende der 1950er Jahre hatte er den Stil entwickelt, für den er berühmt wurde: hard-edge painting.

Seine ikonische und mutige Arbeit LOVE mit dem schiefen "O" entstand 1962, und im folgenden Jahr gab das Museum of Modern Art (MOMA) eine Version davon als Druck für seine Ferienkarte von 1965 in Auftrag. Das Werk erreichte 1973 ein noch viel breiteres Publikum, als der United States Postal Service das Motiv für eine Briefmarke verwendete. Bis heute wurden mehr als 300 Millionen Exemplare von "LOVE" gedruckt. Unterschiedliche Versionen der Arbeit in verschiedenen Größen und Medien sind in Kunstmuseen und Städten auf der ganzen Welt zu finden, unter anderem auch im Museum Ludwig. Oftmals findet man „LOVE“ in den Abteilungen zur Pop Art, sehr zu Indianas Leidwesen: „LOVE", so Indiana 2014 in einem seiner seltenen Interviews, „war eine wunderbare Idee, aber es war auch ein schrecklicher Fehler. Es wurde zu populär; es wurde zu populär. Und es gibt Leute, die Popularität nicht mögen. Es ist viel besser, exklusiv und abgelegen zu sein“. Deshalb lebe er auf einer Insel vor der Küste von Maine. Entsprechend hieß seine Retrospektive 2013 im Whitney Museum Robert Indiana: Jenseits der LIEBE (Beyond LOVE).

Er wehrte sich gegen die Vereinnahmung für die Pop Art und ordnete sich selbst als Maler des Hard-Edge-Paintings ein. Hard Edge ist keine darstellende, sondern eine schablonenhafte, flächige, geometrische Malform mit harten Kanten und scharf gegeneinander abgegrenzten Farbaufträgen. Darin ähnelt sie der Farbfeldmalerei. Sie wirkt emotionslos und rational gesteuert, die Künstler hinterlassen bewusst keine individuellen Pinselspuren auf der Bildoberfläche, die Farben sind eher kalt. Im Regelfall haben Hard-Edge-Bilder kaum mehr als zwei oder drei verschiedene Farben. Gekennzeichnet ist die Malerei durch den großflächigen und scharf gegeneinander abgegrenzten Farbauftrag von „kalten“ Farben in geometrischen oder organischen Formen.

Und so ist LOVE trotz des Titels kein romantisches Bild. „LOVE“ ist ein Skelett von all dem, was dieses Wort in allen erotischen und religiösen Aspekten des Themas bedeutet hat, und es auf die eigentliche Struktur der Kalligraphie selbst herunterzubringen, ist wie ein Skelett", sagte Indiana in einem Interview von 1977. "Es reduziert es auf die nackten Knochen."
Indiana wurde 89 Jahre alt.

M. Hamann