Ein Spiegel - nicht nur für Nonnen ...

Bild der 22. Woche - 28. Mai bis 3. Juni 2018

Johann Georg Janke (zugeschr.): Nonnenspiegel, letztes Viertel 18. Jh. Hinterglasmalerei, 26,3 x 20,5 x 0,2 cm. Museum Schnütgen, Inv. Nr. M 280 (Foto: RBA)

„Bedenke, dass Du sterben wirst!“ - Viele Objekte und Kunstwerke widmen sich dem Memento-Mori-Thema, um an die Eitelkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens zu erinnern. Diese Warnung vor Tod und Verfall, findet vielleicht ihre beste Illustration in dem Nonnenspiegel des Museum Schnütgen. Es handelt sich um einen kleinen Spiegel aus dem 18. Jahrhundert, der der Sammlung Alexander Schnütgen entstammt. Das Werk wurde erst kürzlich der böhmischen Hinterglasmalerfamilie Janke zugeschrieben, insbesondere wird vermutet, Johann Georg Janke, der Vater des bekannteren Vincenz Janke habe das Werk geschaffen.

Im Zentrum des Bildes sind ein Schädel und zwei gekreuzte Knochen auf einem roten Kissen dargestellt Die üblichen Symbole der barocken Vanitasdarstellungen werden dort wiedergegeben: eine Sanduhr, zwei verwelkte Rosen mit ihren herabfallenden Blütenblättern, eine gerade erloschene Kerze, deren Rauchwolke noch zu sehen ist. Die Darstellung eines seifenblasenden Putto verstärkt weiter die Vergänglichkeitsikonographie. Zwei Inschriften ergänzen schließlich das Dargestellte. Auf einem Zettel steht „Siehe mich an wie du wilt – ich bin doch dein eben bildt“. Es handelt sich um ein Zitat aus der Legende „Die drei Lebenden und die drei Toten“ aus dem 11. Jahrhundert. Diese Legende erzählt die Begegnung von drei meist hochmütigen, jungen Edelleuten mit drei Toten, die sie überzeugen wollen, ein gottesfürchtiges Leben zu führen. Die Geschichte, die in der ganzen abendländischen Literatur verbreitet war, lehrt die Notwendigkeit sein Leben nach Gott zu auszurichten, um sich auf seinen Tod vorzubereiten. Als Abschluss findet sich ein schwarzes Band mit der Aufschrift „Memento Mori“.

Diese Hinterglasmalerei ist also eine Erinnerung an die eigene Sterblichkeit für jeden, der in den Spiegel schaut. Dabei ist es ein Totenkopf, den das Spiegelbild zurückschickt. Das Objekt selbst - der Spiegel - ist eine kraftvolle Allegorie auf die Flüchtigkeit des irdischen Lebens. Die Memento Mori Thematik ist umso stärker, da es sich um einen sog. Nonnenspiegel handelt. Die Nonnen sollten sich nicht eitel im Spiegel anschauen, sondern nach den christlichen Idealen der Loslösung und Askese leben. Ob es sich bei dem Werk wirklich um den Spiegel einer Nonnen gehandelt hat, ist fraglich. Die Bezeichnung „Nonnenspiegel“ ist allgemein üblich für Hinterglasmalereien, die als Mahnung für die eitle Selbstbetrachtung verstanden werden. Folglich ist dieser kleine Nonnenspiegel ein Objekt der Meditation über Zeit und Tod, um vor der eigenen Eitelkeit bewahrt zu werden.

Im Mittelalter macht die christliche Hoffnung auf ein ewiges Leben aus dem Memento-Mori-Thema eine Einladung sich die „Schätze des Himmelreichs“ zu sichern. Diese Perspektive auf ein Jenseits ist Teil einer künstlerischen Tradition, deren zahlreiche Variationen – Transis, Totentanz, Tödlein - im Museum Schnütgen gezeigt werden.

Agathe Lagauche