Ein Freund, ein guter Freund

Bild der 31. Woche - 30. Juli bis 5. August 2018

Caspar David Friedrich: Pfeifenraucher, 1802. Bleistift und Feder in brauner Tinte auf Papier, 10,25 x 11,8 cm. Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 1936/012 (Foto: RBA)

Passend zum Tag der Freundschaft am 30. Juli: Ein Freund malt einen Freund. Caspar David Friedrich tat eben dies, als er am 10. Juni 1802 Friedrich August von Klinkowström porträtierte. Die Zeichnung entstand während einer Hochzeit des Pastors Franz Christian Boll aus Neubrandenburg, zu der beide eingeladen waren. 

Friedrich August von Klinkowström kam am 31. August 1778 in Ludwigsburg bei Greifswald auf die Welt. Er wirkte unter anderem als Pädagoge, Maler und Schriftsteller. Außerdem wählte er eine Laufbahn in der Armee und verließ das Militär als preußischer Offizier. Die Skizze Friedrichs entstand nicht nur bei einer Hochzeit, sondern auch zu einer Zeit, in der Klinkowström gerade seine Laufbahn als Offizier beendete. Mit dem Maler Caspar David Friedrich scheint ihn vor allen Dingen die Geisteshaltung zu verbinden, denn Klinkowström gehörte zu den Wiener Romantikern und arbeitete als deren Herausgeber. Dabei verwendete er das Pseudonym Friedrich Kindmann. Caspar David Friedrich wurde ebenfalls in Greifswald geboren, und so geht die erste Verbindung der beiden an den Geburtsort zurück. Friedrich gilt als einer der prägendsten Künstler der deutschen Frühromantik, deren Strömungen und Ansichten er mit seinem Freund Klinkowström teilte.

Friedrichs Zeichnungen sind vorwiegend in Skizzenbüchern zu finden, die er bei sich trug und so eine Art Tagebuch in Zeichenform führte. In diesem Skizzenbuch befand sich auch die Zeichnung des Pfeifenrauchers. Da die Skizzen meist als Vorlage für ein Gemälde dienten, bleibt nicht auszuschließen, dass auch sein Freund Klinkowström in einem Gemälde hätte auftauchen können. Trotzdem stehen die Zeichnungen Friedrichs in seinem Gesamtwerk nicht an erster Stelle, denn meist sind es Selbstporträts oder die von Verwandten und Freunden. Auffällig ist, dass Friedrich die Porträts immer mit seinen eigenen Charakterzügen vermischte. Das ist auch im Porträt des „Pfeifenrauchers“ zu erkennen. Klinkowström scheint tief versunken in den Genuss seiner Pfeife zu sein, denn er blickt nach unten und stellt keinen Bezug zum Betrachter her. Die Pfeife erscheint als Genussmittel und Luxusgut, das in vertrauter Runde angezündet wird, wenn Ruhe herrscht und Freunde in der Nähe sind.

J. Michel