Das Ende der bayerischen Querelen

Bild der 32. Woche - 6. August bis 12. August 2018

Levy Elkan: Darstellung der Anwesenheit Maximilians I. auf dem Kölner Reichstag 1505, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (1963/76, Köln) (Foto: RBA)

„Reichstag des römischen Königs Maximilians zu Köln im Jahre MDV auf dem Danzhuis Gürzenich“: Während die Überschrift gut lesbar erscheint, kann der Betrachter den weiteren Text wohl kaum erkennen. Die Zeichnung indessen entfaltet ihre Wirkung: Hier geht es um einen König, der darauf bedacht war, sich als möglichst mächtig zu inszenieren. Von einer breiten goldenen Bordüre eingerahmt, die die Wappen der Reichstände schmücken, blickt man auf farbenfrohe Abbildungen, die durch Blattornament verbunden sind: feiernde, wohl dem König huldigende Menschen, inklusive Minnesang und musikalischer Begleitung. Sehr präsent ist das königliche Wappen in der oberen linken Ecke. Natürlich ist auch Maximilian selbst abgebildet, unten links, umringt von den geistlichen und weltlichen Kurfürsten.

Ruhe im Reich

1505 befand sich das Heilige Römische Reich in einer Reformphase. Obwohl auch Maximilian, wie seine Vorgänger, auf seine Stellung und eigenen Interessen pochte, betrieb er eine engagiertere Reichspolitik. Seine Reformpolitik hatte Einfluss auf alle wichtigen Reichsorgane, auch den Reichstag, der so zu einem zentralen politischen Forum wurde. Als man sich in Köln zum Reichstag einfand, ging es allerdings nicht nur um innere Angelegenheiten, sondern auch um Außenpolitik: den bevorstehenden Konflikt mit Frankreich bzw. Spanien und dynastische Auseinandersetzungen in Ungarn. Maximilians Ziel war es daher, möglichst alle inneren Konflikte zu beseitigen, um sich darauf fokussieren zu können. Um es mit den Worten des Historikers Dietrich Heil zu sagen – was der König brauchte war endlich ‚Ruhe im Reich‘.

Streit um Bayern

Das, was Maximilian dabei vor allem im Wege stand war der Landshuter Erbfolgekrieg. Der Herzog von Bayern-Landshut, Georg der Reiche, war 1503 ohne männliche Nachkommen verstorben. Rechtswidrig hinterließ er das Fürstentum seiner Tochter. Daraufhin erhob Herzog Albrecht IV., Herzog von Bayern-München und nächster männlicher Verwandter, Anspruch auf Georgs Erbe. Bereits vor dem Reichstag agierte Maximilian in diesem Konflikt als Vermittler, nicht ohne jedoch selbst Teile des Erbes als Gegenleistung zu beanspruchen. Sein offizielles Ende sollte der Krieg im Juli 1505 finden, mit dem sogenannten ‚Kölner Schiedsspruch‘, der am 30. Juli dieses Jahres sein 513. Jubiläum feierte. Darin wurde Albrecht IV. der größte Teil des Erbes zugesprochen. Auch Maximilian selbst ging gestärkt aus dem Konflikt hervor. In Köln fanden allerdings keine wirklichen Verhandlungen statt, der Spruch beruhte im Grunde auf bereits vorher getroffenen Absprachen. Schon nach drei Tagen konnte der König die Bestimmungen verkünden. Im Hochsommer kamen die bayerischen Querelen zur Ruhe.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Es stellt sich die Frage, was von der prunkvollen Inszenierung übrigbleibt. Der bereits vorab ausgehandelte Schiedsspruch stellte den einzigen Erfolg des Reichstages dar. Maximilians Bitte um finanzielle Hilfe für seine Außenpolitik kam der Reichstag nicht nach. Auch bei inneren Verfassungsfragen kam man nicht voran. Insgesamt stagnierte Maximilians Macht zu diesem Zeitpunkt bereits. Er war nicht unbedingt der glanzvolle Monarch, als der er sich bei seinem feierlichen Einzug in Köln am 15. Juli 1505 inszenierte.

Reichstag auf Kölsch

Dazu passt vielleicht auch, dass Maximilian einen Termin des Reichstages verpasste, da er sich vor plötzlichem Starkregen in das Zunfthaus der Brauer-Gaffel auf der Schildergasse rettete. Während nicht genau belegt ist, was sich dann zutrug, spricht doch einiges dafür, dass er dort versackte: Es war wohl, alles in allem, ein sehr ‚kölscher‘ Reichstag.

Bei unserer Zeichnung handelt es nicht um eine zeitgenössische Darstellung. David Levy Elkan fertigte sie knapp 345 Jahre später an. Der in Köln geborene jüdische Künstler war in den 1840er und 50er Jahren besonders produktiv. Er hatte sich bereits im Vormärz aktiv für die jüdische Emanzipation eingesetzt und war auch nach der gescheiterten Revolution von 1848 politisch engagiert. Zwar wird es sich um eine Auftragsarbeit gehandelt haben, aber es schwingt in der Zeichnung von 1850 wohl auch sein Wunsch nach einem geeinten Deutschen Reich mit, das ihm 1848 verwehrt geblieben war.

A. Glettenberg