Das Sukkotfest und jüdisches Leben in Köln

Bild der 38. Woche - 17. September bis 23. September 2018

Thoravorhang, Rheinland, um 1780. Samt und grüne Seide, mit Goldfaden bestickt, 208 x 148 cm. Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. 1926/442a (Foto: RBA)

Der Gottesdienst des Sukkot, des Laubhüttenfestes neigt sich dem Ende zu. Nachdem die Thorarollen zum Abschluss der Feierlichkeit durch die Synagoge getragen wurden, verstaut man sie nun wieder hinter dem großen, roten mit goldenen Ornamenten geschmückten Vorhang. Noch ist die Synagoge erfüllt vom Geruch der Lulavs. Diese Feststräuße, gebunden aus Etrog, Dattelpalme, Myrtenzweigen und Weidenzweigen sollen Dankbarkeit für Segen und Gaben der Natur ausdrücken. Das jüdische Erntedankfest gehört nicht zu den bekanntesten, sondern auch zu den höchsten Feiertagen.

So ist das Fest, als wesentlicher Bestandteil einer jüdischen Gemeinde, auch Bestandteil der Geschichte Kölns. Jüdisches Leben und Köln gehören zusammen wie Karneval und Kamelle. Seit 321 nach Christus existieren in der damals noch römischen Siedlung jüdische Gemeinden. Dies macht die kölnische jüdische Gemeinde nicht nur zur ältesten jüdischen Gemeinde Deutschlands, sondern sogar zur ältesten Gemeinde nördlich der Alpen. Im Mittelalter siedelte die jüdische Bevölkerung, der sich nun rasant entwickelnden Handelsstadt in einem eigenen Viertel unweit des Rheinufers. In der Zeit ab 1096 kam es in regelmäßigen Abständen zu antijüdischen Pogromen. Der vorläufige Höhepunkt der antisemitischen Stimmung der Stadt war die Ausweisung der jüdischen Bevölkerung aus Köln. Das jüdische Leben verlagerte sich nun nach Deutz. Was heute lediglich einen Katzensprung ans andere Flussufer darstellt, war lange Zeit eine Reise in eine andere Stadt. Erst 1888 wurde Deutz Teil des Kölner Stadtgebietes. Im 16. Jahrhundert entstand in Deutz die erste rechtsrheinische Synagoge. Aus ihr stammt auch der Thoravorhang, den wir hier im „Bild der Woche“ sehen.

Erst mit der Annexion der linksrheinischen Gebiete durch französische Truppen 1798 und der Einführung der Religionsfreiheit wurde die Stadt für Juden geöffnet. Salomon Oppenheim Jr. ließ sich daraufhin im nun offenen Köln nieder und gründete als einer der ersten Juden nach fast 400 Jahren Verbannung die neue jüdische Gemeinde. Diese wuchs nun in den Jahren bis 1933 auf nahezu 20.000 Mitglieder an.
Während der Pogromnacht 1938 wurden die meisten jüdischen Geschäfte sowie die Synagogen Kölns zerstört. In der darauffolgenden Shoah wurden 11.000 der 20.000 Mitglieder der kölnischen jüdischen Gemeinde ermordet. Doch selbst dies bedeutete nicht das Ende jüdischen Lebens in Köln. Bereits 1945 gründeten Überlebende des Grauens der vergangenen Jahre, eine neue jüdische Gemeinde. Bereits 1959 wurde die neue Synagoge eingeweiht. Heute zählt die Gemeinde 5000 Mitglieder und gilt als eine der größten in Köln. Es wird also auch dieses Jahr, wie schon etliche Jahre zuvor Feste und Feiern anlässlich des Sukkot Fest geben. Köln und jüdisches Leben gehört eben einfach zusammen.

L. Flöttmann