Edouard Colonna - ein vergessener Kölner

Bild der 41. Woche - 8. Oktober bis 14. Oktober 2018

Edouard Colonna: Zuckerlöffel, um 1900. Silber, vergoldet, Länge: 14,5 cm. Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. G 1320 (Foto: RBA)

Die eigentliche Funktion des von dem gebürtigen Kölner Edouard Colonna entworfenen Zuckerlöffels lässt sich leicht übersehen. Im Grunde ein Alltagsgegenstand, ist er hier sehr fein und künstlerisch gestaltet. Sein Ausshen wird völlig von Pflanzenmotiven bestimmt. Die herzförmige Laffe ist von parallel gebogenen Blattformen mit Spitzen an den Seiten durchbrochen. Zudem endet der geschwungene Griff in einer knospenähnlichen Form. Fast scheint der Zuckerlöffel über seine ursprüngliche Funktion als Besteck hinauszuwachsen und sich in ein organisch-florales Gesamtkunstwerk zu verwandeln.

Tatsächlich sind Ornamente dieser Art typische Elemente von Colonnas Arbeiten. Die naturhafte Erscheinung seiner Werke lässt sich auch in anderen Kunstwerken des Jugendstils wiederfinden. Der Jugendstil war eine Reaktion auf die von Teilen der Bevölkerung als negativ empfundene Industrielle Revolution und verkörperte den Wunsch zu natürlicheren Formen zurück zu kehren. In Frankreich als „Art Nouveau“ bezeichnet, stand die Kunstrichtung ganz im Zeichen der Lebensreformbewegungen um die Jahrhundertwende. Die Künstler strebten nach innerer und äußerer Einheit von Kunst und Leben mit dem Ziel, Gesamtwerke zu schaffen. Gerade der Bereich der Angewandten Kunst bot sich dafür an; alltägliche Dinge sollten zu feinen und anspruchsvollen Kunstwerken werden und die Verankerung der Kunst im Leben voranbringen. Am Markt war den anspruchsvollen Werken oft keine langer Erfolg beschieden. Entsprechend gerieten die Gestalter oft in Vergessenheit, so auch Edouard Colonna.

Er wurde im Mai 1862 im heutigen Köln-Mülheim, als Eduard Klönne geboren. Heimatverbunden war er offenbar nicht, denn bereits mit 15 Jahren zog es ihn nach Brüssel. Nach dem Ende seines dortigen Architekturstudiums ging er nach New York. Seine Herkunft hielt er lange Zeit geheim, gab sich als Nachkommen eines italienischen Adelsgeschlechts aus und nannte sich Edouard Colonna. Nachdem er einige Jahre in Kanada gelebt hatte, kehrte er 1893 nach Europa zurück und war von 1898 an als Gestalter für Samuel Bing in dessen Galerie „L’Art Nouveau“ in Paris tätig. Bing hatte sein Geschäft, das der späteren Kunstrichtung den Namen gab, 1895 eröffnet und bemühte sich Kunstliebhabern mit geringeren Einkommen einen Zugang zu Werken des Art Nouveau zu ermöglichen. Colonnas Aufenthalt in Paris zählt zu den erfolgreichsten Jahren des Künstlers und erreichte seinen Höhepunkt mit dem „Bingschen Pavillon“ auf der Weltausstellung 1900, für den Colonna den Empfangsbereich und die Musikkammer entwarf.

1903 sah sich Samuel Bing gezwungen seine Galerie zu schließen, Colonna kehrte nach Amerika zurück und gelangte schließlich nach Südfrankreich. Dort arbeitete er eine Zeit lang als Kunsthändler, bevor ihn eine Ganzkörperlähmung ab 1928 an das Bett fesselte. Mit Blick auf seine Erfolgsjahre, die hinter ihm lagen, stellte er entsetzt fest: „The people who bought things to please the educated eye are all dead.“ Edouard Colonna starb am 14. Oktober 1948 in Nizza und wurde in einen Armengrab beigesetzt.

Am 14. Oktober 2018 feiern wir den 70. Todestag des in Vergessenheit geratenen Künstlers. Das Andenken an einem der wichtigsten Künstler des Jugendstils sollte man schon nur aufgrund der Schönheit und der Feinheit seiner Kunst ehren. Dafür muss man nicht weit fahren, denn drei Exemplare seiner sanften und lyrischen Arbeiten sind im Besitz des Museums für Angewandte Kunst Köln.

C. Dubuis