Ein Leben im Dienst der Kirche

Bild der 48. Woche - 26. November bis 2. Dezember 2018

Kaspar Benedikt Beckenkamp: Porträt des Johann Michael DuMont (1746-1818) Kanonikus und Dompfarrer in Köln, vor 1818. Öl auf Leinwand, ca. 130 x 100 cm. Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv.-Nr. WRM 3634 (Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln, Albers, Michael, 2010, rba_d023649)

Ernst, aber mit freundlichem Gesichtsausdruck schaut der Mann auf dem Gemälde. Das graue Haar ist nach hinten gekämmt und seine dunkle Kleidung verleiht ihm eine strenge, aber würdevolle Ausstrahlung. Das reich geschmückte Kreuz an seiner Brust und das Birett in seiner linken Hand geben erste Hinweise auf seinen gesellschaftlichen Stand. Seine rechte Hand weist auf ein Buch, das neben ihm liegt. Dort sind spezielle liturgische Feiertage Kölns verzeichnet. Im Hintergrund steht neben einem goldenen Vorhang eine Petrusfigur vor einem Pfeiler des Kölner Doms.

Die Zeitgenossen dürften den Kölner Geistlichen schnell erkannt haben, denn es handelt um Johann Michael DuMont. DuMont war einer der höchsten Geistlichen Anfang des 19. Jahrhunderts in der Domstadt. Das Gemälde wurde 1815 gemalt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er es zum Dompfarrer der Stadt gebracht. Bis dahin war es aber ein langer Weg gewesen.

Johann Michael DuMont, geboren am 2. November 1746, war ein Kind des Kölner Tabakhändlers Heinrich Josef DuMont und Maria Sophia Dalen. Als einer von vier Söhnen, die das Erwachsenenalter erreichten, bekam er eine gründliche Schulbildung und schon früh stand fest, welchen Karriereweg er einschlagen sollte. 1769 wurde er schließlich zum Priester geweiht. In den folgenden Jahren übernahm er verschiedene Kanonikate an Kölner Kirchen und Stiften, darunter St. Aposteln und St. Gereon.

Doch neben der Kirche war er noch an einer anderen wichtigen Institution Kölns tätig: der Universität. Zunächst als Student der Philosophie Rechtswissenschaften, dann als Doktorand. 1773 schloss er seine Dissertation mit einem kirchenrechtlichen Schwerpunkt ab. Später war DuMont als Professor an der juristischen Fakultät beschäftigt. So lehrte er Kirchenrecht, hielt aber auch Vorlesungen zur Geschichte des Alten Reichs. Sein Interesse für diese beiden Themengebiete lässt sich auch an seiner Privatbibliothek ablesen. Dort stapelten sich die Bücher. Vor allem zum kanonischen Recht, zur Geschichte allgemein und natürlich zur Kirchengeschichte fanden sich dort Werke. Aber auch Bücher zur praktischen Theologie, die ihm bei der Arbeit als Geistlicher halfen, waren in seinem Besitz. Insgesamt wird seine Bibliothek auf mehr als 1700 Titeln geschätzt.

Was nach viel klingt, ist im Vergleich mit anderen Kölner Sammlern wie Ferdinand Franz Wallraff oder Baron von Hüpsch eine kleine Sammlung. DuMont sammelte nicht um des Vergnügens willens, sondern hatte vor allem Bücher in seinem Besitz, die er für seine Arbeit brauchte. Dennoch verkehrte er in den Kölner Literatur- und Kunstkreisen und war auch gut mit Wallraff bekannt. In diesen Kreisen des Kölner Bildungsbürgertums bewegte sich auch der Maler des Gemäldes: Benedikt Kaspar Beckenkamp. Der aus der Nähe von Koblenz stammende Maler war gut vernetzt in der Kölner Gesellschaft und malte viele Porträts von angesehenen Persönlichkeiten – so auch von DuMont.

Ende des 18. Jahrhunderts übernahmen die Franzosen die Herrschaft über die Domstadt. Das hatte auch Folgen für die katholische Kirche. Kirchengüter wurden eingezogen, Klöster und das Kölner Erzbistum aufgelöst. Köln gehörte nun zum neugegründeten Bistum Aachen. Trotz dieser gravierenden Veränderungen gelang es DuMont 1806 zum Dompfarrer ernannt zu werden. Auch wenn er den ein oder anderen unliebsamen Beschluss der Franzosen umsetzen musste, erreichte er dass, einige alte Traditionen der Kölner Kirche erhalten wurden. Vielleicht auch deshalb nahmen die Kölner besonders Anteil an seinem Tod am 30. November 1818. In einem großen Trauerzug wurde sein Leichnam durch die Gemeinde getragen bis sie auf Melaten ihre letzte Ruhe fand. DuMonts außerordentliche Gelehrsamkeit blieb den Menschen aber in Erinnerung. Denn ein aufgeschlagenes Buch schmückt seine Grabstele.

A. Holtschneider