Death of a Thousand Dreams

Bild der 49. Woche - 3. Dezember bis 9. Dezember 2018

Taslima Akhter: Rana Plaza Collapse - Death of 13, 2013. Fotografie (© Taslima Akhter 2013)

Die aus Bangladesch stammende Dokumentarfotografin und Aktivistin Taslima Akhter porträtiert in ihrer Fotoserie „Death of a Thousand Dreams“ das Schicksal der Textilarbeiterinnen und –arbeiter nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Dhaka, Bangladesch. Am 24. April 2013 stürzte das neunstöckige Geschäftsgebäude ein und verursachte den Tod von mehr als 1.134 Arbeiterinnen und Arbeitern. Viele Familien wurden auf der Suche nach ihren Angehörigen zwischen Polizeistationen und Leichenhallen hin und her geschickt, viele Menschen werden immer noch vermisst.

Taslima Akhter selbst sagt über ihre Arbeit: „Die Arbeiterinnen und Arbeiter des Rana Plaza sind nur ein Teil der vier Millionen Arbeiter in der Bekleidungsindustrie Bangladeschs. Durch den Anhänger ‚Made in Bangladesh’ auf den Produkten verdienen sie sehr viel Hartwährung für die Wirtschaft des Landes. Die Menschen kommen aus den Dörfern in die Arbeiterbaracken der Städte mit dem Traum eines besseren Lebens. Alle ihre Träume liegen jetzt unter den Trümmern des Rana Plaza begraben. Der Einsturz wirft Fragen an die nationalen und internationalen Eigner, an die Marken und die Regierungen auf, Fragen über ihre Rolle bei der Durchsetzung sicherer Arbeitsbedingungen. Er wirft ebenfalls Fragen über die Verantwortung aller Bürger und Verbraucher auf. Ich habe versucht, in dieser Fotodokumentation die Geschichte des Todes von tausend Träumen darzustellen.“

Das Foto „Rana Plaza Collapse“ zeigt den Protest gegen den Einsturz von Rana Plaza. Angehörige der Arbeiterinnen und Arbeiter von Rana Plaza verlangen Gerechtigkeit. Zu sehen ist das Bild momentan in der Sonderausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ im Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt in Köln. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der globalen Textilindustrie und will dazu anregen, sich engagiert mit dem Thema Mode-Konsum und seinen sozialen und ökologischen Folgen zu beschäftigen. Der Teil der Ausstellung „Fashion & Victims“, zu dem Taslima Akhters Fotoserie zählt, möchte die Rolle zweier gegensätzlicher Seiten des Fast Fashion-Phänomens als Leidtragende begreiflich machen: die der Konsumenten in den Überflussgesellschaften und die der Produzenten in den Billiglohnländern. Denn auch wir Verbraucher werden instrumentalisiert, indem wir zum Mehr-Kauf animiert werden.

Welche Psychologie steckt zum Beispiel hinter der Strategie der Sonder- und Ausverkaufsaktionen, der „Limited Editions“? Niedrige Preise verlocken dazu, mehr Kleidung zu kaufen, als wir tatsächlich benötigen. Sie aktivieren einen Reflex: Da wir angeblich Geld sparen, glauben wir, tatsächlich noch genug übrig zu haben, um uns Zusätzliches leisten zu können. Für neue Kaufanreize sorgen regelmäßig die Outfits der Stars und Sternchen. Ihre High End-Kleidung wird uns in preiswerten Varianten angeboten. Oder es wird Knappheit suggeriert – denn was nur für kurze Zeit und begrenzt erhältlich ist, erscheint uns begehrenswerter und wertvoller als die „normale“ Massenware.

Team des Museums