Weihnachtsbäume

Bild der 51. Woche - 17. Dezember bis 23. Dezember 2018

Heinz Held: Weihnachtsbäume, 1972. Silbergelatineabzug.
Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. G 27075 (Foto: RBA Köln)

Die Weihnachtszeit – eine Zeit voller Gegensätze. Alle Jahre wieder weckt sie ein tiefes Bedürfnis nach Harmonie. Die Menschen wollen ankommen, zur Ruhe kommen. Der Stress des Alltags soll vergessen sein und man teilt und schenkt, als wären finanzielle Hürden zu dieser Zeit ein geringeres Problem als in den restlichen 11 Monaten des Jahres. Man will sich nahe sein und Zwist und Alltag stören den besonderen Zauber dieser Zeit. Auf der anderen Seite aber ist wahrscheinlich kein anderer Moment des Jahreszyklus so konsumorientiert wie der Advent. Es wird gefeilscht, gekauft, geschenkt – und alles, um das bevorstehende Fest zu etwas ganz Besonderem zu machen.

Dies ist die Kehrseite der weihnachtlichen Hochstimmung, die das Wunschbild der besinnlichen Atmosphäre empfindlich stört und von niemandem gerne gesehen wird. Der Kölner Fotograf Heinz Held, welcher sich darauf konzentriert, die ungeschönten Momente des alltäglichen Lebens festzuhalten, demaskiert dieses Trugbild der weihnachtlichen Harmonie in seiner Aufnahme vom Kauf eines Weihnachtsbaums. Der Christbaum als Inbegriff adventlicher Vorfreude mutet hier, zusammengepresst und mit Stricken umwickelt, so gar nicht majestätisch an. Vielmehr verblasst seine Erscheinung hinter dem das Bild dominierenden kommerziellen Aspekt. Es ist gut vorstellbar, wie der Käufer, in dem Bestreben, sein Weihnachten festlich zu gestalten, wild entschlossen feilscht und handelt, um den Deal um den schönsten Tannenbaum perfekt zu machen. Wie 80 Prozent der übrigen weihnachtlich gestimmten Bevölkerung in Deutschland ebenfalls.

Doch wissen vermutlich die Wenigsten, warum sie im Advent eine Tanne in ihrem Wohnzimmer platzieren und festlich schmücken. Das macht man halt so. Dabei hat der Tannenbaum eine jahrhundertealte Tradition und ist gar kein dem Christentum vorbehaltenes Symbol. Bereits im heidnischen Glauben, im Mittelalter und bei den Germanen finden sich erste Spuren geschmückter Bäume, die zur dunklen Jahreszeit für Hoffnung und ewiges Leben einstanden. Im 17. Jahrhundert tauchen geschmückte Bäume dann erstmals in Zünften auf und breiten sich schon bald über Privathaushalte aus. Zunächst nur mit Süßigkeiten und Obst geschmückt, finden sich ab dem 18. Jahrhundert Belege, dass auch Kerzen an die Bäume gesteckt wurden. Zum einen gab es die Idee, dass die Kerzen den Toten, die zu Weihnachten ihre Familien besuchen wollten, den Weg weisen sollten. Zum anderen etabliert die Kirche die christliche Sichtweise, dass das Licht der Kerzen Jesus Christus‘ Ankunft symbolisiert. Auch wenn sich die Kirche noch lange gegen den Brauch des Weihnachtsbaums stellte, da sie fürchtete, er könne die Krippe als christliches Symbol ersetzen, etablierte sich der Brauch immer mehr in der Gesellschaft und 1982 wurde dann sogar auf dem Petersplatz im Herzen des Christentums ein Weihnachtsbaum errichtet.

L. Zeidler-Büttgen