Erinnern – eine Brücke in die Zukunft

Bild der 04. Woche - 28. Januar bis 3. Februar 2019

Einblick in die Ausstellung (Foto: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Einblick in die Ausstellung (Foto: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Die Installation, die das Bild der Woche zeigt, stammt von Schüler*innen des 9. Jahrgangs der Käthe-Kollwitz-Schule in Köln-Brück und ist derzeit in der Ausstellung zum „Jugend- und Schülergedenktag“ im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln zu sehen. Die Schüler*innen haben sich nach einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz künstlerisch mit ihren Erfahrungen und Eindrücken dort auseinandergesetzt.

Auch beim Betrachter ruft das Bild sofort Assoziationen hervor. Die Tordurchfahrt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und das Modell eines Eisenbahnwaggons, wie sie für Deportationen genutzt wurden, sind zu Sinnbildern für den Lagerkomplex Auschwitz geworden. Als größtes Vernichtungslager, in dem mindestens 1,1 Millionen Menschen getötet wurden, gilt dieses heute als Symbol für den planmäßigen Massenmord an den europäischen Juden, den Sinti und Roma und anderen von den Nationalsozialisten Verfolgten. Vor 74 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Lager durch sowjetische Soldaten befreit. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort noch rund 7.600 Überlebende. In den Wochen und Monaten zuvor waren etwa 60.000 weitere Häftlinge vor den anrückenden Soldaten der sowjetischen Armee von der SS auf Todesmärsche in weiter westlich gelegene Konzentrationslager geschickt worden. Viele der körperlich völlig ausgemergelten Menschen überlebten den strapaziösen Weg nicht. Andere starben nach der Ankunft in den Lagern an den Folgen der Strapazen.

In einer Rede anlässlich des Jahrestags der Befreiung erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 dieses Datum zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der 27. Januar sollte von nun an stellvertretend an die Schreckensherrschaft der NS-Zeit mit ihrer Vernichtung von Zivilisation und Menschlichkeit und der Verfolgung und millionenfache Ermordung von Menschen und Bevölkerungsgruppen erinnern. Seinen Appell richtete er dabei besonders an die junge Generation, sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen und dafür zu sorgen „aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen“. Die Stadt Köln griff den Impuls auf und führt seit 1998 in Zusammenarbeit mit städtischen wie nicht-städtischen Einrichtungen jährlich am 27. Januar den „Jugend- und Schülergedenktag“ durch, der die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit den Themen NS-Zeit und Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft fördern soll. Dieses Konzept, junge Menschen zu eigenen Projekten anzuregen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, diese in einer Ausstellung und einem Bühnenprogramm öffentlich zu präsentieren, ist bundesweit einzigartig.

Neben den Schüler*innen der Käthe-Kollwitz-Schule haben sich in diesem Jahr zehn weitere Schulen - von der Grundschule bis zum Berufskolleg - aus Köln, Leverkusen, Odenthal und Gummersbach mit ihren Projektarbeiten beteiligt. Die Ergebnisse werden noch bis zum 3. März 2019 in einer Ausstellung unter dem Motto „Erinnern – eine Brücke in die Zukunft“ im NS-Dokumentationszentrum präsentiert. Die Beiträge reichen von Foto- und Textdokumentationen bis hin zu künstlerischen Installationen und Videoproduktionen und zeugen damit von einer Auseinandersetzung mit dem Thema auf vielen verschiedenen Ebenen. Dabei spannen sie nicht nur einen Bogen aus der Vergangenheit in die Gegenwart und schlagen zugleich eine Brücke in die Zukunft. Sie ziehen auch immer wieder Bezüge zur lokalen Geschichte und zeigen damit, dass die Verfolgung und Ausgrenzung, an deren Ende der Massenmord in Vernichtungslagern wie Auschwitz stand, hier vor Ort begann.

So haben z. B. Schüler*innen des Gymnasiums Odenthal über die Geschichte ihrer Gemeinde in der NS-Zeit recherchiert und so weit wie möglich die Lebensgeschichten der jüdischen Einwohner*innen rekonstruiert. Ihre Ergebnisse werden mit einer umfangreichen Sammlung an Dokumenten aus verschiedenen Archiven präsentiert.

Und auch der Beitrag der Käthe-Kollwitz-Schule hat einen direkten Bezug nach Köln. Als Teil der Installation wird eine Ankündigung der Synagogen-Gemeinde Köln vom Herbst 1941 gezeigt, mit der sie ihre Mitglieder über eine bevorstehende Deportation informiert. Viele der ab Oktober 1941 aus Köln in die Ghettos deportierten jüdischen Bürger*innen wurden später von dort nach Auschwitz oder andere Vernichtungslager deportiert und ermordet.

B. Klarzyk