Köln im Namen tragen

Bild der 06. Woche - 11. Februar bis 17. Februar 2019

Werbeschild des Agrippina Versicherungskonzerns, Köln, 1940er Jahre, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. KSM 2008/424 (Foto: RBA)

Rot und Weiß – mehr Farben braucht es nicht. Das Schild zeigt das Wappen der Stadt Köln, umgeben vom Namen und Werbeversprechen der Agrippina-Versicherung. Das Stadtwappen im Zentrum umfasst die drei goldenen Kronen, die die Schutzpatrone der Stadt, die Heiligen Drei Könige, repräsentieren. Die schwarzen Tropfen (in Köln redet man von „Tränen“) auf weißem Grund erinnern an die Legende der Heiligen Ursula und ihrer Jungfrauen. Alles weist auf die Stadt Köln und ihre Geschichte hin – da bildet auch der Name keine Ausnahme.

Ursprung ist das antike Köln: „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ („Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“). Die Bezeichnung verdankt die Stadt Agrippina der Jüngeren, einer Frau, die vor knapp 2000 Jahren für Furore gesorgt hat. Die Mutter des späteren Kaiser Nero wurde um 15/16 n. Chr. im heutigen Köln geboren. Energisch und skrupellos verfolgte sie das Ziel, die Machtstellung ihrer Familiendynastie zu sichern. Dafür ging sie sogar eine Ehe mit ihrem Onkel, Kaiser Claudius, ein. Diesen brachte sie dazu, die Thronfolge zu übergehen und anstelle seines leiblichen Sohnes ihren einzigen Nachkommen Nero für die Kaiserkrone vorzusehen. Auch erhob sie ihre Geburtsstadt kurzerhand zur Kolonie, um in Rom ihre Autorität als Kaisergattin zu demonstrieren.

Ihr Machthunger wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Anfänglich als „optima mater“ („Beste aller Mütter“) gepriesen, wendete sich Nero später gegen seine Mutter. Als Agrippina ihrem Sohn drohte, seinen Stiefbruder als möglichen Konkurrenten aufzubauen, verübte Nero mehrere erfolglose Mordanschläge auf seine Mutter. Einen davon, ironischerweise einen inszenierten Schiffsbruch, überlebte sie als einzige – bevor sie 59 n. Chr. von Soldaten getötet wurde.

Glaubt man den antiken Geschichtsschreibern, so war Agrippina keineswegs beliebt; und dennoch war es ausgerechnet ihr Namensbestandteil der Stadt Köln, der überdauerte. Im Laufe der Jahre verloren „Claudia“ und „Ara“ zunehmend an Bedeutung. Seit dem 3. Jahrhundert war daher nur noch von „Colonia Agrippina“ und später von „Agrippina“ die Rede. Erstaunlicherweise setzte sich ab dem frühen Mittelalter aber der Name „Colonia“ durch – übersetzt heißt dies nichts anderes als „Kolonie“ und hätte damit Bezug zu mehreren Städten dieser Zeit.

Wieso also benannte sich grade eine Versicherung nach einer männermordenden, verführerischen und intriganten Machtpolitikerin? Schlechtes Timing. Denn den Namen „Colonia“ hatte sich bereits 1841 eine Kölnische Feuer- und Unfallversicherung zu eigen gemacht. Da die Agrippina-Versicherung aber erst 1844 gegründet wurde, musste ein älterer Name her – denn der Stadtbezug hatte bei der Markenbildung oberste Priorität; so war es etwa Pflicht, dass jeder Aktionär seinen Wohnsitz in Köln hatte. Dies geschah aber wohl vor allem, um sich von den ehemaligen Mainzer Partnern zu distanzieren. Schließlich war die Agrippina Versicherung aus der Rheinschifffahrts-Assecuranz Köln-Mainz Aktiengesellschaft, der ältesten deutschen Flusstransportversicherung aus dem Jahre 1817, hervorgegangen.

Die Agrippina-Versicherung und die Stadt Köln – eine Verbindung, die bis heute fortbesteht. Wenn auch die Agrippina-Versicherung mittlerweile zur Zurich Gruppe Deutschland gehört und der Markenname „Agrippina“ verloren gegangen ist, so ist die Rheinland-Zentrale nach wie vor in Köln. 

N. Blok