Kein Kostüm!

Bild der 07. Woche - 18. Februar bis 24. Februar 2019

Kopfschmuck der Blackfoot, nördliche Plains, Nordamerika, 19. Jhdt., Federn, Wolle, Leder, Seidenbänder und Metallglöckchen, Höhe: 52 cm, Köln, Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt, Amerika, Inv.-Nr. RJM 54205 (Foto: RBA)

„Indianer“ ist eine der beliebtesten Verkleidungen im Karneval. Doch das hier ist kein Kostüm und keineswegs für Jecken gedacht. Während der Karneval die bestehenden Machtverhältnisse auf den Kopf stellt, unterstreicht dieser Kopfschmuck aus den Prärien Nordamerikas die Macht seines Trägers.

Der in Köln allgegenwärtige Karneval steht für Chaos, Unordnung und Lust an der Anarchie. So ist es im Grunde Ironie, dass eines der beliebtesten Kostüme – „Indianer“ und dort vor allem der ikonische Federschmuck - eigentlich die Macht seines Trägers und die Ordnung der Dinge symbolisiert. Tief hinter der Maske schlummert wohl die Idee vom edlen Wilden und von Männern, die heldenmutig jedes Abenteuer bestehen. Und tatsächlich versinnbildlicht die Adlerfederhaube der Krieger von den nördlichen Plains noch immer „den Indianer“ schlechthin.

Tatsächlich symbolisiert sie Kampfesmut und Macht ihres Trägers, aber auch ein klar geordnetes Bild der Welt. Die schwarzen Adlerfedern, die hier kreisförmig auf einen Filzhut mit abgeschnittener Krempe aufgebracht sind, sind ein Symbol für Tapferkeit und Ansehen eines einzelnen oder einer ganzen Gruppe. Der Kranz der Schwanz- und Flügelfedern steht für die Sonne und die sich immer wiederholende Schöpfung, der rote Wollstoff am Kielende für Blut und Leben. Auch die Ahnen sind in einer Adlerfederhaube dargestellt: in Form von Flaumfederbüscheln an den Federspitzen, die hier allerdings verloren sind.

Kein Indianer-Jeck dürfte ahnen, dass seiner Kopfbedeckung mit Plastikfedern ein kosmologisch und genealogisch festgelegtes Weltbild zugrunde liegt. Er ahnt aber auch wenig von der Bandbreite der Kulturen, die den nordamerikanischen Kontinent einst prägten. Die Sammlung des Museums umfasst 140 Objekte allein zu den Plains, und dies sind nur 14% der Bestände zu Nordamerika.

M. Hamann