Das Dreigestirn - Machtübernahme im Karneval

Bild der 08. Woche - 25. Februar bis 3. März 2019

Dreigestirn 1938: Prinz Peter Hubert Schupp, Bauer Johannes Wiesbaum, Jungfrau Paula Zapf, 1938. Fotografie, Rheinisches Bildarchiv, Inv.-Nr. RBA L 2470/17 (Foto: RBA).

An Weiberfastnacht ist es wieder soweit. Prinz, Bauer und Jungfrau übernehmen das Regiment übe die Stzadt und das jecke Volk. Das ganze ist für die Kölnerinnen und Kölner eine großer Spaß, aber die Bedeutung der Figuren,  wurzelt tief in der Gewschichte Kölns. Erst im 19. Jarhundert wachsen die Figuren zum Dreigestirn zusammen.

Das Dreigestirn ist Repräsentant des Karnevals und der Stadt. Jedes Jahr wird das Trifolium, das Kleeblatt (eigentlich lat. für Dreiblatt), neu bestimmt. Jene Kölner Karnevalsgesellschaften, die dem Festkomitee unterstehen, stellen im Wechsel die Regentschaft. Heute gehören Prinz, Bauer und Jungfrau einer einzigen Gesellschaft an. Seit 1883 regiert die Trias das jecke Volk von der Prinzenproklamation, bei der das Stadtoberhaupt die Macht übergibt, bis Karnevalsdienstag, 24 Uhr.

Aussehen und Funktion der drei Symblfiguren sind genau festgelegt, insbesondere der Ornat. Anders als ein Kostüm ist er keine Verkleidung, der Ornat verleiht dem Trgäer die Rolle, die er einnehmen wird. Jede Figur wurzelt in der Kölner Geschichte. Die jüngste ist Prinz Karneval. „Seine Tollität“ heißt seit 1872 Prinz, ursprünglich ist er „Held Carneval“, wie ihn das Festordnende Komitee 1823 ins Leben ruft. Der Prinzenornat in rot und weiß ist der burgundischen Mode des 15. Jahrhunderts entlehnt. In den vier Pfauenfedern an der Mütze kommen gelb und grün als Farben des Karnevals dazu. Bei der Prinzenproklamation empfängt der Prinz die Pritsche, die er über das närrische Volk schwingt. „Seine Deftigkeit“, der Bauer, ist seit alters her Ausdruck der Wehrhaftigkeit der Reichsstadt Köln. Schwert und Dreschflegel sind Symbole seiner Reichstreue und Wahrhaftigkeit. Bei der Proklamation erhält er die Stadtschlüssel. Die Jungfrau, „Ihre Lieblichkeit“, symbolisiert die beschützende Mutter Colonia. Sie trägt eine Mauerkrone als Symbol der städtischen Uneinnehmbarkeit, das römische Gewand der Jungfrau erinnert an die Agrippina die Jüngere. Ihr Symbol ist der Spiegel.

Preußenzeit, Mittelalter und Rom vereinen sich in einem überzeitlichen Ritus zu einer Trias von hoher Symbolkraft und stattlicher Mannhaftigkeit. Aber halt! Auf dem Bild der Woche ist die Jungfrau ja tatsächlich weiblich?!  In den Jahren 1938 und 1939 greift ein Erlass der NSDAP, dass sämtliche Frauenrollen im Karneval durch Frauen darzustellen oder abzuschaffen waren. Die Kölner fügen sich.

M. Hamann