Exil ist harte Arbeit

Bild der 10. Woche - 11. März bis 17. März 2019

Nil Yalter: Installationsansicht "Nil Yalter. Exile Is a Hard Job", Museum Ludwig, Köln 2019 (Foto: RBA, Jonas Klein)

Auf großen Papierbahnen reiht Nil Yalter Zeichnungen und Fotos türkischer Einwanderer aneinander, um sie mit signalroten Lettern zu beschriften: "Exile is a Hard Job". Für ihre „Plakatanschläge“ wählt die Künstlerin auch mal ein Museum, meistens aber Hauswände in Wohnvierteln, in denen besonders viele Migranten leben. Je nachdem, aus welchen Ländern sie stammen, übersetzt Nil Yalter ihre Botschaft auf Türkisch, Arabisch oder in eine andere Sprache.

Als ihre umstrittene Performance in Köln Kalk zu sehen ist, fallen die Reaktionen teils heftig aus: Die Plakate werden von Passanten heruntergerissen, zerknüllt und weggeworfen. Dabei ist Yalters Appell gar nicht als Provokation gemeint. Als politisch und gesellschaftlich engagierte Künstlerin gestaltet sie ihre Statements zu Themen wie Feminismus, Unterdrückung und Migration so ästhetisch wie fordernd. Auslöser für ihre Kunst sind oft aktuelle politische Ereignisse.

Nehmen wir Köln. Hier haben mehr als 400 000 Einwohner einen Migrationshintergrund. Deren Integration wird in der Stadtgesellschaft immer wieder kontrovers und emotional diskutiert. Beispielsweise, wenn es um den Einfluss der türkischen Regierung auf die DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) und damit auf türkische Einwanderer in Köln und ganz Deutschland geht. Nil Yalters künstlerische Arbeiten können dazu anregen, die Identität und Situation der Migranten differenzierter zu betrachten. Insbesondere, wenn es um jene Gruppen geht, auf die die Ereignisse der Kölner Silvesternacht 2015 ein Schlaglicht geworfen hat. Auch der Schock nach dem fremdenfeindlichen Nagelbombenanschlag 2004 in der Keupstraße mit 22 Verletzten sitzt in Köln noch tief.

Warum sich die Künstlerin so brennend für die Probleme von Einwanderern interessiert, liegt auf der Hand: Yalter wurde 1938 in Kairo geboren und ist in Istanbul aufgewachsen, seit 1965 lebt und arbeitet sie in Paris.

M. Hamann