Schotten in Köln

Bild der 11. Woche - 18. März bis 24. März 2019

Werner Mantz: Vier britische Soldaten mit Kilts vor dem Südportal des Kölner Doms, um 1919. Köln, Rheinisches Bildarchiv, Inv.-Nr. RBA 610 305 (© VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Der Donnerstag dieser Woche ist ein besonderer. Vor 1001 Tagen haben die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Seither ist viel passiert, und als Beobachter fühlt man sich mitunter in die unwirkliche Welt aus Tausendundeiner Nacht versetzt. In diesen 1001 Tagen konnte die britische Regierung nicht klären - und auch nicht erklären - wie sie den Verbund einigermaßen geordnet verlassen möchte. Und es wird wohl noch ein weiteres Weilchen dauern - Tage, Wochen, Monate, Jahre - alles scheint möglich.

In den 1000 Nächten, die zwischen den 1001 Tagen liegen, haben viele Briten wahrscheinlich auch nicht gut geschlafen, weil sie nicht wussten, wie es weitergehen wird. Die vier Herren auf diesem Foto dürften hingegen gut geschlafen haben, denn sie konnten sich in der Gewissheit des Siegers wiegen. Es handelt sich nicht um Touristen, sondern um vier schottishe Soldaten in ihren Kilts, die zusammen mit der britischen Armee 1919 das Rheinland besetzen. Nicht nur die Schottenröcke lösen Erstaunen aus - die Soldaten sind wohl genährt und haben eine tadellose Ausrüstung.

Die Briten richten sich auf einen längeren Aufenthalt ein. Das zeigt die Gründung der"Cologne Post", einer englischsprachigen Tageszeitung, die die British Army vor 100 Jahren ins Leben ruft. Den Briten ist nach dem Waffenstillstandsabkommen vom 11. November 1918 der Großraum Köln und Bonn als Besatzungsraum zugewiesen worden. Militärgouverneur Charles Ferguson hat die Befehlsgewalt in der Stadt, ihm ist die zivile Verwaltung unterstellt. Oberbürgermeister Konrad Adenauer pflegt ein professionelles, aber gutes Verhältnis zum Militärgouverneur. So werden einige der Restriktionen recht schnell wieder aufgehoben. Die Ausgangssperre zwschen 19 und 5 Uhr hat nicht lange Bestand, und die Kölner müssen auch nur für kurze Zeit den Hut ziehen, wenn sie einem englischen Offizier begegnen.

In der britischen Besatzungszeit halten sich zeitweilig bis zu 55.000 Soldaten in Köln auf - eine große Belastung für die Zivilbevölkerung. Heute ist das Verhältnis natürlich ein anderes. Briten sind häufige Gäste in Köln - im vergangenen Jahr zählte KölnTourismus über 218.000 Übernachtungen von Gästen aus dem Vereinigten Königreich. Wieviele es nach dem Brexit sein werden, wenn die Einreise deutlich hürdenreicher verlaufen wird als bisher, ist eine ebenso gute Frage wie die, was Schotten unter dem Rock tragen.

M. Hamann