Große Oper vor 120 Jahren

Bild der 12. Woche - 25. März bis 31. März 2019

Unbekannter Fotograf: Alte Oper am Habsburgerring, Datierung: um 1903. Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Photographische Sammlung (Foto: RBA)

In dieser Woche eröffnet das MAKK die Ausstellung "Grosse Oper - viel Theater?" und stellt 19 europäische Bühnenbauten vor. Themen sind Sanierungen historischer Anlagen (z.B. London, Köln, Lyon, Dresden, Berlin), aber auch spektakuläre Neubauten (z.B. Oslo, Kopenhagen, Liverpool, Athen, Hamburg). Zu diesem Anlass sei auf einen spektakulären Beubau erinnert, den sich Köln vor 120 Jahren leistete: den ersten Opernbau am Rudolfplatz.

Er steht in Zusammenhang mit der Bebauung der Kölner Ringe. Die Ringe wurden nach 1881 zu einem Prachtboulevard ausgebaut, der die Altstadt umgeben sollte. ZUr Bebauung zählten - ganz nach dem Vorbild aktueller Planungen in Wien - auch städtische Repräsentationsbauten. So wurden bewusst neue kulturelle Einrichtungen wie das Hohenstaufenbad, das Rautenstrauch-Joest-Museum und eben das Opernhaus entlang der Ringe platziert.

Für einen repräsentativen Theaterneubau wurde von Anfang an das Grundstück am Rudolfplatz ins Auge gefasst, doch es kam erst 1898/99 zu einem Wettbewerb, den der Architekt Carl Moritz für sich entscheiden konnte. Carl Moritz (1863-1944), seit 1896 Bauinspektor der Stadt Köln, gab sein Amt auf, um sich am Wettbewerb beteiligen zu können. Mit dem Stadtheater, seinem ersten Großauftrag, begann seine Karriere als Theaterarchitekt. Bald gehörte er zu den führenden Architekten des Kaiserreichs. Auch in Köln entstanden zahlreiche Bauten nach seinen Plänen. Für das Neue Stadttheater, das seit 1906 offiziell die Bezeichnung Opernhaus führte, orientierte sich der Archtekt am Vorbild der Semper Oper in Dresden. Baubeginn für den riesigen Komplex - die Alte Oper hatte eine Grundfläche von 5.950 m² und 1.806 Sitzplätze - war im November 1899. Am 7. September 1902 konnte der Bau eröffnet werden.

Die Alte Oper erfüllte alle technischen Anforderungen eines modernen Bühnenbaus und bestand aus drei Bauabschnitten: dem Hauptgebäude mit dem Zuschauer- und Bühnenhaus, den Magazingebäuden und dem Restaurant inmitten eines Gartens. Das Hauptgebäude zeigt deutlich die Formensprache des Spätbarock, an der sich Moritz orientierte. Seine vorgewölbte Fassade zum Ring zierte ein umfangreiches Figurenprogramm. Den Innenraum erschloss eine breite Eingangshalle, die in den Zuschauerraum und ein großzügiges Foyer auf zwei Geschossen führte. Wände und Decken waren mit Gemäldezyklen und symbolischen Darstellungen versehen.

1944 tafen die ersten Bomben das Opernhaus; dem ersten Angriff fiel das Bühnenhaus fast vollständig zum Opfer. Dennoch war nach dem Krieg genug Substanz vorhanden, die eine Rekonstruktion ermöglicht hätte. Doch der Zeitgeist der 1950er Jahre sucht nach neuen Lösungen. 1958 wurde die Alte Oper abgerissen, als der Neubau von Wilhelm Riphahn am Offenbachplatz im Spielbetrieb war. An Stelle der Oper errichtete die Provinzial-Versicherung dort ihren Firmensitz. Heute beherbergt das Hochhaus ein Hotel. An die Alte Oper erinnern nur noch historische Aufnahmen und Postkarten.

M. Hamann