Gebete, Tod und Teufel

Bild der 18. Woche - 6. Mai bis 12. Mai 2019

Einzelblatt aus dem sog. Albani-Psalter: Collectae mit den Initialen H(OSTIVM), A(NIMABVS) und D(EVS), um 1130/1135. Köln,
Deckfarbe auf Pergament, 27 x 17,6 cm. Museum Schnütgen, Inv.-Nr. M 694 (Foto: RBA)

Das Museum Schnütgen hat einen neuen Auswahlkatalog veröffentlicht, der ab sofort im Museum und im Buchhandel erhältlich ist. Das „Handbuch zur Sammlung ist auf Deutsch und Englisch erschienen. Prachtvoll ausgestattet umfasst es 280 Katalogtexte zu ausgewählten Kunstwerken, die einen repräsentativen Eindruck von der Bandbreite und Qualität der Sammlung vermitteln.

Zum ersten Mal seit 50 Jahren liegt damit wieder ein derartiges Buch vor, das in allgemeinverständlicher Weise die Bedeutung und Schönheit der Werke verdeutlicht und zugleich den aktuellen Stand der Forschung erschließt. In einer kleinen Serie stellen wir daher in unserem "Bild der Woche" Werke des Museum Schnütgen vor und beginnen mit einem seltenen Objekt aus Ägypten. Im Handbuch wird das Werk von Bettina Clever-Kümper behandelt.

Das Einzelblatt war ursprünglich die letzte Textseite im sog. Albani-Psalter, einer reich illustrierten englischen Handschrift aus dem Kloster von St. Albans bei London, die heute in der Dombibliothek Hildesheim (Hs. St. God. 1) verwahrt wird. Sie zählt zu den bedeutendsten Psalterhandschriften des Mittelalters.

Auf dem Blatt, das das Museum Schnütgen bewahrt, sind drei kurze Messegebete niedergeschrieben. Es sind sog. Collectae, die dem Ritus des "Missale ad usum Ecclesiae Westmonasterienis" entsprechen. Die erste Oration (Anrufung) bittet darum, Gott möge den Hochmut der Feinde vernichten, die zweite um die Erlösung der Seelen, die dritte hebt den Glanz Gottes hervor und bittet um seine Gnade für den verstorbenen Sünder.

Am Anfang eines jeden Gebetes steht eine große Initiale. Die Figuren zeigen, wie die Gebete durch Christus erhört werden: In der ersten Initiale (Hostium) stößt Christus mit einem Stab auf eine Teufelsfigur nieder. Eine weitere Figur - vielleicht der Betende selbst, der die Wirkung des Gebets anzeigt - verweist mit einem Zeigegestus auf Christus und den Teufel.

In der zweiten Initialszene (Animabus) ist abermals Christus in einem Wolkensegment zu sehen, ohne allerdings diesmal aktiv gegen das Böse vorzugehen. Als Mittler zwischen ihm und dem Höllenschlund, der sich zwei unbekleideten Seelen öffnet, ist ein Bischof zu sehen, der ein Buch erhebt, in dem die ersten Worte des Gebetes mit der Bitte um ihre Erlösung wiederholt werden.

Die unterste Initiale (Deus) bekräftigt die Hoffnung auf den Erfolg der Orationes: Auch hier tritt der Bischof mit dem Buch wieder auf. Tatsächlich aber stößt Christus diesmal das Höllenwesen mit einem Stab zurück und es werden die Seelen neu bekleidet errettet. Alle drei Initialen bezeugen also im Gesamten die Kraft der Gebete, die sie illustrieren.

M. Hamann