Da sinmer dabei…. 70 Jahre Grundgesetz

Bild der 20. Woche - 20. Mai bis 26. Mai 2019

Alois Kreiten: Tintenfass aus dem Kölner Ratssilber, Silber, teilvergoldet, Bergkristall, Email; H: 28,5 cm, B: 37 cm, T: 28 cm; Köln, 1899
Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. KSM 1969/415,2 (Foto: rba_c026654)

Konrad Adenauer, damals Präsident des Parlamentarischen Rates, unterzeichnet am 23. Mai 1949 in Bonn das Grundgesetz. (Foto: picture alliance/DPA)

Als Konrad Adenauer (1876–1967) als Präsident des Parlamentarischen Rates am 23. Mai 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnete, stand ein prunkvolles, altmodisches Tintenfass neben ihm auf dem Tisch. Es gehört zum neuen Kölner Ratssilber. Warum Adenauer dieses Stück aus Kaisers Zeiten dort stehen haben wollte, ist nicht bekannt. Möglicherweise erinnerte er sich daran, als eine Dekoration für den Tisch mit der Urkunde gesucht wurde. Und so „schummelte“ der ehemalige, langjährige Kölner Oberbürgermeister seine Heimatstadt in diese Gründungszeremonie der neuen Republik – nach dem Kölner Motto „Da simmer dabei, dat is prima!“

Das Tintenfass aus dem Ratssilber ist eine Arbeit des Kölner Goldschmieds Alois Kreiten (1856–1930). Auf einem Sockel, der auf vier Bergkristallkugeln ruht, knien zwei Engel und tragen ein chinesisches Bergkristallgefäß. Darin eingelassen ist ein „Eimerchen“, das eigentliche Tintenfass. Kristallgefäß und Eimerchen stammen aus China, in dem Gefäß wusch einst ein chinesischer Gelehrter seine Pinsel aus. Der städtische Beigeordnete Karl Thewalt (1833–1902) stiftete es aus seiner Sammlung. Die beiden Engel hingegen haben ihr Vorbild in Köln, sie sind dem gotischen Tympanon der Rathauskapelle (heute im Museum Schnütgen K 189) nachempfunden: Zwei Engel halten das Kölner Wappen mit Helmschmuck. Ein Helm in Gestalt des Pfauenfederbusches des Kölner Bauern schmückt denn auch den Deckel des Tintenfasses.

Das reichsstädtische Ratssilber war 1795 auf Anweisung der französischen Besatzer eingeschmolzen worden. Das neue Kölner Ratssilber entstand als Stiftung Kölner Familien i. W. zwischen 1889 und 1907. Als erstes neues Stück wurde der Kaiser-Pokal gefertigt. Das Tintenfass wurde von der Stadt Köln finanziert, die Gestaltung von der Kunstkommission beschlossen, man wünschte ein vaterstädtisches und gleichzeitig gotisches Motiv. Es ist zudem die Ergänzung des zwei Jahre zuvor zusammen mit einem Federhalter bei dem Kölner Goldschmied Gabriel Hermeling (1833–1904) in Auftrag gegebenen Goldenen Buches der Stadt Köln.

R. Wagner