Händewaschen einmal anders

Bild der 21. Woche - 27. Mai bis 2. Juni 2019

Aquamanile, Mitteldeutschland (Sachsen?), 2. Hälfte 13. Jahrhundert. Bronze, gegossen, ziseliert. 21,8 x 21,5 x 8,5 cm (echtes Ohr eingesetzt), erworben durch Alexander Schnütgen. Museum Schnütgen, Inv.-Nr. H 45 (Foto: RBA)

Das Museum Schnütgen hat einen neuen Auswahlkatalog veröffentlicht, der ab sofort im Museum und im Buchhandel erhältlich ist. Das „Handbuch zur Sammlung ist auf Deutsch und Englisch erschienen. Prachtvoll ausgestattet umfasst es 280 Katalogtexte zu ausgewählten Kunstwerken, die einen repräsentativen Eindruck von der Bandbreite und Qualität der Sammlung vermitteln.

Zum ersten Mal seit 50 Jahren liegt damit wieder ein derartiges Buch vor, das in allgemeinverständlicher Weise die Bedeutung und Schönheit der Werke verdeutlicht und zugleich den aktuellen Stand der Forschung erschließt. In einer kleinen Serie stellen wir daher in unserem "Bild der Woche" Werke des Museum Schnütgen vor. Diesmal ein Aquamanile, ein Gießgefäß zur Handwaschung (Aquamanile).

Diese Gießgefäße aus dem Mittelalter sind in großer Zahl erhalten. Sie dürften auch im häuslichen Gebrauch Verwendung gefunden haben, viele stammen aber aus liturgischer Nutzung. So gehörte die Handwaschung zu den rituellen Handlungen des Zelebranten vor und während des Gottesdienstes.

Vom 12. bis ins 15. Jh. entstanden Gießgefäße in Gestalt fantasie-voller Tiere und menschlicher Figuren, die heute als „Aquamanilien" bezeichnet werden. Mit der Entstehung dieser Bronzeobjekte setzten mittelalterliche Hohlgussverfahren ein und mit der Weiterentwicklung der Techniken wurden die Formen komplexer. Der Löwe, im Mittelalter ein verbreitetes Symbol für Stärke und zudem als Symbol für Christus zu deuten, war die häufigste Form für diese Gefäße.

Das recht schlichte Exemplar aus der Sammlung Alexander Schnütgens ist von einer spannungsvollen Haltung mit gestreckten Läufen und erhobenem Kopf geprägt. Über eine Öffnung zwischen den runden Ohren konnte es befüllt werden. Der Ausguss sitzt im Maul des Löwen, das mit zwei Reihen kleiner, gleichförmiger Zähne versehen ist. Weitere Ziselierungen zeichnen das Gesicht mit mandelförmigen Augen und kurzer Schnauze, einige Fell andeutende Linien sowie einen Mähnenkamm aus gedrehten Lo-cken unter einem Brustlatz. An den Beinen formen kurze gereihte Striche zudem ein sparsames Muster. Der auf dem Rücken anset-zende Griff ist eine stilisierte Variante der häufig vorzufindenden Drachenform, er spannt sich im hohen Bogen zum Hinterkopf des Löwen und bildet dort das Scharnier für den Deckel.

Viele der erhaltenen Gießlöwen entstanden im nördlichen Deutschland mit seinen bedeutenden Bronzegusszentren. Diese beeinflussten die Produktion in angrenzenden Regionen und nahmen wohl auch von dort Impulse auf. 

M. Hamann