Ein Mantel gegen die Verschmutzung der Meere?

Bild der 22. Woche - 3. Juni bis 9. Juni 2019

Manfred Fenner: Mantel aus Plus-Plastiktüten mit Krawatte, 199oer Jahre, Kunststoff. Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. KSM 2000/17 (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Meier, Wolfgang F., 2012, rba_d033548)

„Prima leben und sparen!“ versprach der Lebensmitteldiscounter Plus bis zu seiner Übernahme im Jahr 2010. Vor fast einem Jahrzehnt verschwand das bekannte Logo von den Filialen, doch in Form dieses aus Plastiktüten geschneiderten Mantels wird es uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Das liegt nicht allein an der guten Konservierung im Depot des Kölnischen Stadtmuseums, sondern auch am langandauernden Zersetzungsprozess von Kunststoffprodukten. In Abhängigkeit verschiedener Faktoren kann dieser Prozess mehrere hundert Jahre andauern. Was für Depots ein Segen ist, stellt unsere Umwelt jedoch zunehmend vor gewaltige Probleme. Denn was sich nicht von selbst zersetzt, muss aufwändig recycelt werden, doch ein Großteil des weltweiten Kunststoffverbrauchs wird diesem Zyklus gar nicht zugeführt.

Stattdessen landen jährlich bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Grober Müll wird dann in der Regel an den Küsten angeschwemmt, während sich kleinere Teilchen, sogenanntes Mikroplastik, durch die Meeresströmung verteilen, In einigen Meeresregionen sammeln sich dann diese Teilchen zu einem großen Plastikstrudel. Bekannt ist vor allem ein Meereswirbel im Nordpazifik, in dem sich auf einer Fläche, die als doppelt so groß wie die Vereinigten Staaten beschrieben wird, etwa 100 Millionen Tonnen Kunststoff konzentrieren. Vor allem Überreste von Plastikverpackungen und -tüten sowie Partikel synthetischer Kleidung aber auch andere Kunststofferzeugnisse finden sich hier. Und das bleibt nicht ohne Folgen für die Meeresfauna. Fische und andere Meeresbewohner, aber auch Vögel, verfangen sich darin oder verschlucken Plastikteile, woran sie ersticken können. Plastik enthält außerdem oft Giftstoffe, die Mensch und Tier schaden.

Mit dem zunehmenden Wohlstand auf der Erde wächst der Plastikverbrauch der Bevölkerung und damit auch die Verschmutzung der Weltmeere. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, haben sich Initiativen gegründet, die die Plastikflut eindämmen wollen. Auch der Weltumwelttag der Vereinten Nationen, der alljährlich am 5. Juni begangen wird, widmet sich dem Schutz der Ozeane. So sollen Menschen sensibilisiert werden, um in Zukunft nach Möglichkeit auf Kunststoffe zu verzichten. Ein Beitrag ist der Verzicht auf Plastiktüten beim Einkauf. Zahlreiche deutsche Einzelhändler gehen diesen Weg mit und geben Kunststoffbeutel nicht mehr kostenlos aus, in Zukunft wollen sie ganz auf sie verzichten. Dann wird nicht nur das Plus-Logo aus den Supermärkten verschwunden sein, sondern auch gleich die ganze Tüte.

Der Mantel wurde übrigens vom Designer Manfred Fenner entworfen – als Kritik an der Konsumkultur. Nach dem Tod des unbändigen Kölner Sammlers Herrmann Götting gelangte er in den Besitz des Kölnischen Stadtmuseums. Die Geschichte Göttings können Sie hier nachlesen.

S. Hammer