Auf zu anderen Ufern

Bild der 39. Woche - 30. September bis 6. Oktober 2019

Levy Elkan: Eröffnungsfeier der Rheinbrücke bei Köln am 3. Oktober 1859, Legitimationskarte für Maschinenmeister Jaeger, Düsseldorf, Vertrieb: D. L. Elkan, Bäumler und Cie., Düsseldorf (Druckereiei & Verlag), 1859. Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. HM 1918/7 c  (Foto: RBA)

„Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.“
Isaac Newton

Der 3. Oktober 1859 war in Köln ein großer Tag. Exakt vier Jahren nach der Grundsteinlegung fand die Eröffnungsfeier der Dombrücke und des Centralbahnhofs statt. Für Köln war es die erste feste Brücke seit der römischen Zeit und zugleich bei Baubeginn die einzige zwischen Basel und den Niederlanden. Der Vorläufer der Hohenzollernbrücke verband die linke mit der rechtsrheinischen Seite Kölns und war ein großer Schritt in die Modernität, der Deutschland und die Region ein Stück enger zusammenwachsen ließ. Wo zuvor ein zweimaliges Umsteigen und Umladen von Waren auf Schiffe nötig war, überquerten der Zug- und Straßenverkehr nun ungehindert den Fluss. Die „Muusfall“ („Mäusefalle“), wie sie im Volksmund genannt wurde, bestand aus Gitterträgern und konnte mit schweren Eisentoren verschlossen werden.

Die abgebildete Legitimationskarte wurde für die Maschinenmeister Jaeger ausgestellt und berechtigte zu einer Fahrt mit der Cöln Mindener Eisenbahn in den ersten zehn Oktobertagen 1859. Der Druck entstammt dem Lithographischen Institut David Levy Elkans in Köln und zeigt neben dem noch im Bau befindlichen Kölner Dom auf der linken das Rathaus auf der rechten Seite, die von dem preußischen Adler in der Mitte vereint werden.

Heute, 160 Jahre später, steht der 3. Oktober als symbolischer Tag für die Überwindung von Grenzen. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ heißt die Leitidee des wiedervereinten Deutschlands. Sie schlägt eine Brücke zur Vergangenheit, zu den Kämpfen des Vormärz und gibt den Weg für die Zukunft vor. David Levy Elkan (*01.12.1808 +01.07.1865) war jemand, der sich für eben diese Einheit einsetzte. Er war ein aktiver Revolutionär im Vormärz und Führer der 9. Kompanie 1848 in Köln.
In seinem Leben stieß er auf so manche Hürde, die er überwinden musste. Als Sohn eines jüdischen Lehrers wuchs er im Köln des 19. Jahrhunderts in unsicheren Verhältnissen auf – eine prägende Zeit, die sich auch in seinem späteren Kampf für die Emanzipation der Juden im Preußischen Reich äußerte. Auch sein Handwerk konnte er als Jude nur nach dem Erhalt seines „Moralpatents“ im Jahr 1841 ausüben. Dennoch erarbeitete er sich zügig einen Namen als angesehener Bürger der Stadt Köln. Seine Werke im Stil der mittelalterlichen Miniatur waren schnell bekannt und international gefragt. Er übte aber nicht nur ein Handwerk aus, sondern war auch leidenschaftlicher Künstler. Als solcher verfasste er nicht selten satirische Arbeiten, die das tagespolitische Geschehen in Köln kommentierten.

Levy Elkan waren sein Schaffen und seine Ziele wichtiger als er selbst. So gibt es weder ein Eigenportrait noch einen Nachlass. Sein Leben und seine Werke widmete er dem sozialen und politischen Engagement. Er trat für menschliche Werte im Allgemeinen ein und überwand dabei konfessionelle Mauern und politische Barrieren. So war er Mitbegründer des parteiübergreifenden „Allgemeinen Hilfs- und Bildungsvereins“ für Köln und Deutz. Er nahm aktiv am jüdischen Gemeindeleben in Köln teil und setzte sich für den Bau der Synagoge ein. Gleichzeitig unterstützte er den Kölner Dombauverein, in dem er seit der Gründung Mitglied war.

Auftragsarbeiten fertigte er für die Katholische Kirche, wie die jüdische Gemeinde gleichermaßen. Die Hingabe für seine Mitmenschen, sein Streben nach Gleichberechtigung und Demokratie machte er sich zur Lebensaufgabe.
„Einigkeit und Recht und Freiheit“ – eine Idee, die zeitübergreifend, fest und unerschütterlich sein sollte und doch so fragil ist. In einer Zeit, die durch Flucht, Migration und Ängste geprägt ist, war es nie wichtiger, sich für sie einzusetzen und statt Mauern wieder Brücken zu bauen.

L. Zimmermann