Rekonstruktion des Universums

Zeitgenössische russische Künstlerbücher

Kunst- und Museumsbibliothek

16. März bis 5. Mai 2019

Die Auswahl der Künstlerbücher und Buchobjekte von 16 russischen Künstlerinnen und Künstlern wurde von Elisabeth Broel (Mitbegründerin der EDITIONALE) zusammengestellt. Dabei war es Broel wichtig, ein möglichst breit gefächertes Spektrum von Themen, Techniken, sowie Auflagen und Unikaten zu zeigen. Die Künstlerinnen und Künstler der ausgestellten Werke leben heute in Russland und Deutschland, wo sie schon an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen haben. Die in der Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek gezeigten Arbeiten, sind jedoch zum größten Teil zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.
Der Titel der Ausstellung ist dem Titel des Künstlerbuches „Rekonstruktion des Universums“ von Tamara Ivanova entlehnt. Ihr Künstlerbuch hat die Künstlerin den Künstlerinnen und Künstlern der Avantgarde gewidmet, die vor ca. hundert Jahren neue Wege bestritten und mittels der Kunst versuchten haben, die Lebenswelt neu zu gestalten. Tamara Ivanova hat ihr Künstlerbuch als Stoffmusteralbum gestaltet. Es wurde für die Ausstellung komplett fotografiert, so dass es nicht nur im Original ausgestellt ist, sondern in einem „Digitalen Bilderrahmen“ alle Seiten in einer Endlosschleife geblättert werden.
Die für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten, von denen nur einige im Folgenden genannt und ansatzweise beschrieben werden, zeigen ein vielfältiges Spektrum des zeitgenössischen russischen Künstlerbuches, in denen auch immer die Rekonstruktion eine bedeutende Rolle spielt.
Grigory Berstein wurde für sein Künstlerbuch „Storyboard“, mit Zeichnungen und Collagen auf Karton, von dem Film „Faust“ des russischen Regisseurs Alexander Sokurow inspiriert.
Viktor Lukin verwendet bei der Gestaltung der „Poetischen Texte von Kasimir Malevich“ das Element des Pop ups, die farbig über schwarzem Grund zu schweben scheinen.
Anastasiya Nesterova, Michail Molochnikov sowie Vladimir Sitnikov verwenden in verschiedensten Techniken, z.B. Holzschnitt, Collage Textfragmente, Gedichte und Kurzgeschichten des russischen Schriftstellers Daniil Charms (1905 – 1942). Er wurde ab den 1970er Jahren von mehreren russischen Künstlern neu entdeckt und in künstlerische Arbeiten umgesetzt.
Bei Vasilij Vlasov spielt der Rhythmus in seinen Arbeiten eine wichtige Rolle, so auch in seinem Leporello „Gelber Klang“.
Das Unikatbuch von Petr Perevezencev stellt zeichnerisch in unlesbaren Texten auf sehr altem Papier eine Geschichte dar.
Michail Pogarskijs „Star Poems“ besteht aus mehreren collagierten Seiten eines Leporellos, deren Papierstrukturen u.a. ausschlaggebend sind.
Evgeny Gors „given subject“ I – III setzt sich in seinen Fotografien, Zeichnungen und Rauminstallationen mit Symbolen des Alltags, z.B. mit der Moskauer Metro, auseinander.
In „Amphibrachys“ von Sergej Jakunin hat der dreigliedrige Versfuß, auch aus der Antike bekannt, seinen Platz.
Leonid Tishkov Faszination für organische Formen und anatomischen Details spielt eine große Rolle in seinem Künstlerbuch „Gazellen“.
Das Fotobildarchiv „Die Namenlosen“ von Vera Khlebnikova ist in seiner Art und Weise einzigartig. Übereinander gestaffelte Schwarz-Weiß-Fotografien werden mit golden grundierten Rückseiten kontrastiert.
Viktor Korchagin führt mit seinem Buch „67/67“ durch eine fiktive Expedition und Michael Bensmans Buchobjekt „Der VIY“ nimmt Bezug auf die Erzählung des russischen Schriftstellers Nikolei Gogol (1809 – 1852).
Auch durch die Einbeziehung von Dingen des Alltags in dem Reiseroman „On The Road“ von Natalia Sineva findet eine Umänderung statt. Sie hat neben Reisprospekten zahlreiche Objekte, die einem auf einer Reise begleiten und begegnen in einer Taschen zusammengeführt, wie Fahrkarten, Postkarten, Schlüssel, Korken u.v.a.m., was den Betrachter automatisch auf eine gedankliche Reise schickt und Reisebilder im Kopf entstehen lässt.

Adresse

Kattenbug 18-24
50667 Köln
T +49 221 221 22438, /-24171

kmb@stadt-koeln.de 

Lesesaal im Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Lesesaal im Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln

Öffnungszeiten

Lesesaal Museum Ludwig: Montag 14 - 21 Uhr, Dienstag bis Donnerstag 10 - 21 Uhr, Freitag 10 - 18 Uhr. Der Lesesaal im Museum Ludwig ist zusätzlich alle zwei Wochen auch samstags von 11 - 16 Uhr geöffnet.  

Lesesaal Museum für Angewandte Kunst: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag 11 - 17 Uhr

Eintritt

Der Eintritt ist frei.

Anfahrt & Verkehrsanbindung

Öffentliche Verkehrsmittel
Bahn, S-Bahn (vom Flughafen): "Hauptbahnhof"
Bus, U-Bahn, Straßenbahn: "Dom/Hauptbahnhof"
Parkhäuser
Am Dom / Groß St. Martin