Praetorium - römischer Statthalterpalast
Das Praetorium war der Amtssitz des Statthalters in der Hauptstadt Köln der römischen Provinz Niedergermanien. Es handelte sich um den bedeutendsten offiziellen Bau der Stadt und den wichtigsten römischen Palast am Rhein. Das Praetorium war und blieb Mittelpunkt einer planmäßigen Entwicklung und Besiedlung von Stadt und Region und kann somit als politisch-administrative Wiege der Region bezeichnet werden.
Erhalten sind Reste aus allen Epochen des mehrphasigen Baus von der Zeit um Christi Geburt an. Komplett zugänglich und sichtbar sind aber vor allem die Mauern des monumentalen Palastes des 4. Jahrhunderts. Die Anlage besteht aus einem zentralen oktogonalen Raum, flankiert von zwei rechteckigen Hallen und anschließenden Sälen mit Apsis. Zum Rhein hin verlief eine Galerie (Porticus) vor Raumfluchten, nach Westen erstreckten sich weitläufige Höfe, die über die Grenze der Archäologischen Zone hinausreichen.
Das Fundmaterial umfasst neben Keramik bisher eine reiche Ausstattung an Wandmalerei und marmornen Wand- und Bodenverkleidungen und Mosaik, sowie Reste von Großskulpturen und Inschriften aus Marmor, Kalk und Tuff, sowie bedeutende Keramik- und Glasfunde und Handwerksreste.
Ein Erdbeben beendete die Geschichte der Residenz. Die Spuren sind im Bau noch deutlich an Rissen und Versetzungen zu erkennen. Das seismologische Institut der Universität Köln führt zusammen mit der Erdbebenwarte Bensberg ein dreijähriges, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstütztes Forschungsprojekt durch zur Dokumentation dieses Erdbebens, das Ende des 8. Jahrhunderts zahlreiche Bauten in Köln zerstörte oder beschädigte.
Derzeit wird der jeweilige Fund des Monats aus den laufenden Ausgrabungen auf dem Rathausplatz in der Ausstellung präsentiert.
Studioausstellung im Praetorium
Goldschmiede. Neue Funde aus Kölner Werkstätten.
Bei den Ausgrabungen auf dem Rathausplatz während der letzten Jahre kamen auch zahlreiche Werkstattreste des Kölner Goldschmiedehandwerks zutage, das im Mittelalter in ganz Europa berühmt war. Es gab Goldschmiede, Goldschläger (Blattgoldhersteller), Goldspinnerinnen und Goldstickerinnen. Der Goldschmiedegaffel gehörten zeitweise über 100 Meister an, darunter auch Frauen. Im Haus zum Golde ist z.B. um 1300 „Maria Goltslegerrsa" (Goldschlägerin) belegt.
Die kostbaren Produkte der Goldschmiedekunst können heute noch in Museen und Kirchen bewundert werden. Demgegenüber sind zur Technik und zu den Geräten zwar einige Hinweise in Schrift- und Bildquellen überliefert, reale Objekte sind aber außerordentlich selten. Umso aufsehenerregender waren die Kölner Funde - Schmelzöfen, Tiegel, Probiersteine und Glättsteine aus dem 12.-14. Jahrhundert. Besonders spektakulär: der Teil einer goldenen Arkadenfassung wie sie kostbarste Schmuckstücke des 11. und 12. Jahrhunderts aufweisen, und Reste der Ossa-Sepia-Technik, bei der aus dem Rückenschulp des Tintenfisches eine Gussform hergestellt wird. Diese Technik war im Mittelmeerraum noch aus der Antike bekannt. Die Kölner Funde sind das früheste Beispiel für ihre Anwendung nördlich der Alpen.




